Boyeria irene – Westliche Geisterlibelle

 von Mathias Lohr

AF_B.irene_M_ML_01Boyeria irene wurde im Jahr 2008 erstmals für Niedersachsen nachgewiesen. Die Funde gelangen an der Örtze in der südlichen Lüneburger Heide, wo die Besiedlung mittlerweile für einen mindestens 20 km langen Flussabschnitt dokumentiert ist. Gleichzeitig sind dies die einzigen bekannten bodenständigen Vorkommen in Deutschland. Die nächsten Gewässer mit Bodenständigkeitsnachweisen liegen in Nordostfrankreich und somit mehr als 600 km von den niedersächsischen Vorkommen entfernt. Der von B. irene besiedelte Abschnitt der Örtze ist etwa 10 bis 15 m breit und weist zumeist naturnahe Sohl- und Uferstrukturen auf. Der Gewässergrund besteht aus sandigen bis feinkiesigen Sedimenten. Die Ufer werden vor allem von Erlen gesäumt, die locker bis mäßig dicht stehen. Besonnte und beschattete Abschnitte wechseln z.T. kleinräumig. Der Totholzanteil ist relativ hoch. Diese Habitateigenschaften treffen auch auf die meisten von der Art in Mittel- und Südfrankreich sowie auf der Iberischen Halbinsel besiedelten Gewässer zu. In der Schweiz kommt B. irene außerdem in mehreren großen Alpenrandseen vor. In Niedersachsen sollten naturnahe Fließgewässer vor allem im Bereich der Lüneburger Heide und im Weser-Aller-Flachland gezielt auf Vorkommen der Art hin untersucht werden. Auch Vorkommen in anderen Teilen Niedersachsens sind nicht auszuschließen und auf B. irene sollte an entsprechenden Gewässern vor allem auch in den südlichen Landesteilen geachtet werden.

Die Männchen von B. irene patrouillieren wasserseits der Ufergehölze oft lange Strecken ab. Dabei untersuchen sie im Flug beschattete, höhlenartige Strukturen unter überhängenden Zweigen oder Stämmen auf der Suche nach Eier legenden Weibchen. Die Eiablage wird meist etwas oberhalb der Uferlinie an beschatteten Stellen in feuchtes Substrat wie Rinde oder Moose vollzogen. Exuvien finden sich meist senkrecht an der Ufervegetation. Nachweise der Art gelingen einerseits durch Exuvienfunde, zum anderen durch gezielte Erfassung der patrouillierenden Männchen. Diese sind aufgrund ihrer grau-beigen Färbung und des Aufenthalts an beschatteten Uferabschnitten eher unscheinbar. An schwer zugänglichen Stellen ist die Suche nach Exuvien vom Boot aus zweckmäßig. Diese sollte vor allem dort erfolgen, wo sich die Exuvien im Schutz überhängender Bäume oder unter Brückenbauwerken oft längere Zeit halten können.

Die bislang in Niedersachsen dokumentierte Schlupfzeit von B. irene liegt zwischen Mitte Juni und Juli, die Hauptflugzeit zwischen Ende Juli und Mitte August. Imagines wurden bis Anfang September beobachtet.

Text veröffentlicht am 21.07.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Boyeria_irene

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