Brachytron pratense – Früher Schilfjäger

 von Mathias Lohr

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Brachytron pratense besiedelt bevorzugt Stillgewässer, deren Ufer von dichten und oft auch ausgedehnten Röhricht- oder Hochstaudenbeständen bewachsen sind. Regelmäßig findet sich die Art an besonnten und von einer breiten Röhrichtzone aus Schilf (Phragmites australis) bestandenen Gewässern wärmebegünstigter Regionen. Hierzu zählen z.B. Altwasser der Flussniederungen, bewachsene Gräben, Weiher und Seen. Auch Sekundärgewässer wie Teiche und Abgrabungsgewässer werden besiedelt, wenn deren Ufer meist in späteren Sukzessionsstadien eine entsprechende Vegetation aufweisen.

Verbreitungsschwerpunkte der Art liegen in den wärmebegünstigten Niederungen der Ems, der Weser, der Aller und ihrer Nebenflüsse sowie der Elbe. Die höchste Dichte erreicht sie dabei an der Unterweser bei Bremen sowie in der südlichen Lüneburger Heide und im Wendland. Daneben befinden sich zusammenhängende Vorkommen an der Unteren Ems, in der nördlichen Stader Geest zwischen Weser- und Elbmündung sowie im nördlichen Harzvorland. Im Bergland sind die Vorkommen auf die Flusstäler beschränkt, wo die Art z.B. entlang der Oberweser sowohl in NRW als auch in Niedersachsen vorkommt.

Die Männchen von B. pratense fliegen stetig einige Dezimeter über der Wasseroberfläche am wasserseitigen Rand der Röhricht- oder Hochstaudenbestände entlang, wo sie nach eierlegenden Weibchen suchen. Dabei fliegen sie zeitweise auch in die Röhrichte hinein. Die Weibchen legen die Eier in auf dem Wasser treibende oder aus dem Wasser ragende Pflanzenteile im Bereich der Röhrichte ab.

Die Schlupfzeit von B. pratense beginnt in frühen Jahren bereits Mitte oder Ende April. Die Hauptflugzeit liegt im Mai. Ab Mitte Juni nimmt die Anzahl der Beobachtungen stark ab und die Art ist nur noch sehr vereinzelt nachzuweisen.

Aufgrund der frühen und meist kurzen Flugzeit, der nicht sehr auffälligen Färbung und des Fluges entlang oft schwer zugänglicher Röhrichtbereiche wurde die Art in der Vergangenheit oft übersehen. Sie ist im Mai neben Anax imperator die einzige blaue Aeshnide, die bereits an ihren Fortpflanzungsgewässern fliegt. Aufgrund der Größe und des Verhaltens können die beiden Arten aber nicht verwechselt werden. Nachweislücken dürften in Niedersachsen vor allem in der Ems-Hunte-Geest und in den wärmebegünstigten Flusstälern des Osnabrücker Hügellandes sowie des Weser- und Leineberglandes bestehen. Hier sollte nach der Art bei entsprechend günstiger Witterung im Mai gezielt gesucht werden.

Text veröffentlicht am 19.11.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

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