Coenagrion ornatum – Vogel-Azurjungfer

von Friederike Kastner

Von Coenagrion ornatum werden von Grund- oder Quellwasser beeinflusste langsam fließende, besonnte, sommer- und winterwarme, dauerhaft wasserführende Gräben und Bäche besiedelt. Entscheidend für das Vorkommen der Art sind ganzjährig eisfreie Gewässer, eine ausgeprägte Gewässervegetation, eine geringe Fließgeschwindigkeit sowie ein ausreichender Sauerstoffgehalt. Typische Wasserpflanzen sind Berle (Berula erecta), Brunnenkresse (Nasturtium officinale), Wasserminze (Mentha aquatica) und Bachbunge (Veronica beccabunga).

Als südosteuropäische Art ist C. ornatum in Deutschland sehr selten und erreicht in Niedersachsen den nordwestlichen Rand des mitteleuropäischen Areals. Aktuelle Nachweise liegen aus den Landkreisen Diepholz, Lüchow Dannenberg, Uelzen und Gifhorn sowie dem Stadtrand von Salzgitter vor. Das Vorkommen südöstlich von Lüchow ist seit 2001 bekannt und weist aktuell die größte Population der Art in Niedersachsen auf. Bei dem Vorkommen im Raum Lemförde handelt es sich nach bisherigen Erkenntnissen nur um wenige Individuen. Aufgrund der sehr ähnlichen Lebensraumansprüche sollte an Fundorten von Coenagrion mercuriale auch auf C. ornatum (und umgekehrt) geachtet werden. Dies gilt beispielsweise für das Vorkommen bei Lemförde, jedoch nicht für das Vorkommen bei Lüchow. Geeignete Gewässer wirken auf den ersten Blick meist eher unscheinbar, können aber gut an der charakteristischen wintergrünen Wasservegetation erkannt werden.

Coenagrion ornatum ist im Anhang II der FFH-Richtlinie verzeichnet und wird in Niedersachsen in der Kategorie 1 der Roten Liste (vom Aussterben bedroht) geführt. Gefährdungsfaktoren für die Art sind eine zu intensive oder aber eine nicht stattfindende Gewässerunterhaltung und damit einhergehende Beschattung der Gewässer, Grundwasserabsenkung mit Trockenfallereignissen sowie eine Eutrophierung der Gewässer.

Die Flugzeit von C. ornatum erstreckt sich bei uns von Ende Mai bis Ende Juli. Die Männchen haben wie alle anderen Azurjungfern eine blaue Grundfärbung mit kontrastreicher schwarzer Zeichnung auf dem Hinterleib. Charakteristisch ist die Zeichnung auf dem zweiten Abdominalsegment in W- oder U-Form auf einem Stiel, sowie die spitz zulaufenden Flecken auf den Segmenten 3 und 4. Die Weibchen sind blau gefärbt, mit einer nicht ganz die Hinterleibssegmente ausfüllenden schwarzen Zeichnung. Bei beiden Geschlechtern sind die Postokularflecken gezähnt. Die Schwesterart C. mercuriale sieht C. ornatum sehr ähnlich, zur sicheren Bestimmung ist daher ein Fang der Tiere notwendig.

Literatur

NLWKN (Hrsg.) (2009) Vollzugshinweise zum Schutz von Wirbellosenarten in Niedersachsen. Wirbellosenarten des Anhangs II der FFH-Richtlinie mit höchster Priorität für Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen – Vogel-Azurjungfer (Coenagrion ornatum). Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz, Hannover, 8 S.

Sternberg K. (1999) Coenagrion ornatum (Selys, 1850) – Vogel-Azurjungfer. In: Sternberg K. & R. Buchwald (Hrsg.) Die Libellen Baden-Württembergs, Band 1: 270–278. Ulmer, Stuttgart

Burbach K & G. Ellwanger (2006) Coenagrion ornatum (Selys, 1850). Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69(3): 103–116

Text veröffentlicht am 10.11.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Coenagrion_ornatum

Die Nachweiskarte des NLWKN wurde der AG Libellen ausschließlich für den internen Gebrauch zur Verfügung gestellt. Sie wird daher erst angezeigt, wenn man sich als Mitglied der AG auf dieser Website angemeldet hat.


 

Seite