Cordulegaster bidentata – Gestreifte Quelljungfer

von Andreas Pix

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Cordulegaster bidentata ist ein europäischer Endemit, dessen nördliche Verbreitungsgrenze vom Nordrand der Mittelgebirge gebildet wird. Die Gesamtverbreitung dürfte mit der des europäischen Bergbuchenwaldes weitgehend identisch sein. Damit bleibt die Art in Niedersachsen auf den südlichen Landesteil beschränkt. Die in der Karte auch dort verbleibenden Lücken repräsentieren zu einem guten Teil nachweisliche Fakten, so fehlt die Art z. B. großräumig in der Region rund um Göttingen. Innerhalb ihrer Vorkommen zeigt sie andererseits ein bemerkenswert konstantes Auftreten. Beispielsweise entspricht die Auszeichnung der Dekade ab 1981 für die drei südlichen Quadranten im Bereich von Werra und Oberweser auch der aktuellen Situation und weist damit nur auf eine Meldelücke und nicht etwa auf einen Bestandsrückgang hin. Noch nicht registriert sind auch einige Funde in den Südausläufern des Solling.

Dass aus der gesamten norddeutschen Ebene keinerlei Vorkommen bekannt sind, ist eher dem Relief als der absoluten Höhenlage geschuldet. Denn auch innerhalb ihrer Vorkommen im Bergland scheint die Art Quellen ohne hinreichendes Gefälle zu meiden, und andererseits reichen Vorkommen an der Oberweser oft bis auf Talniveau herab.

Anders als Cordulegaster boltonii ist C. bidentata ein strenger Spezialist schwach und mäßig schüttender Hangquellen. Den Hauptanteil der Vorkommen bilden damit die Schotterquellhänge und anschließenden Rinnsale in den Laub- und Mischwäldern, häufig in charakteristischem Bezug zu ausgeprägten und oft steilen V-Tälern. Soweit Quellmoore ähnliche Abfluss-Strukturen ausbilden, können auch diese besiedelt sein. In steilste Bergbäche und bisweilen in die obersten Quellrinnsale dringt aber auch die plastischere C. boltonii vor. Daher greifen von der Forellenregion an aufwärts keine ökologischen Anhaltspunkte mehr, so dass hier eine sorgfältige Bestimmung beider Arten unverzichtbar wird. Das sicherste Merkmal ist die Form der gelben Flecken auf den mittleren Abdomensegmenten, die in der Seitenansicht keilförmig spitz nach unten zulaufen. Dies ist für stark wie schwach gelb gezeichnete Tiere gleichermaßen charakteristisch. Bei C. boltonii sind diese Flecken deutlich bandförmig und am Ende umgebogen. Dieses Merkmal muss allerdings mehr praktisch erfahren werden, als dass es in Schlüsseln leicht zu beschreiben wäre. Solange Lichtreflexe auf den Segmentkanten nicht täuschen, ist auch das Fehlen des zweiten gelben Fleckenpaares auf den mittleren Segmenten ein brauchbares Differentialmerkmal zu C. boltonii. Das oft genannte Hinterhauptsdreieck ist dagegen kein umkehrbares Kriterium. Es ist bei C. bidentata immer schwarz, bei C. boltonii in Farbe und Farbverteilung aber variabel, von meistens überwiegend gelben Formen bis hin zu selten ganz schwarzen. Absolut ungeeignet ist die Anzahl der Zellen im Analdreieck des Hinterflügels, da diese bei den Cordulegastriden zu den am stärksten veränderlichen, vermeintliche Artgrenzen überschreitenden Individualvariablen gehört.

Dagegen sind bei den Larven die fehlenden Seitendornen an den Hinterleibssegmenten 8 und 9 ein praktikables Unterscheidungsmerkmal, das mit einer 10fach-Lupe schon bei Tieren von weniger als 1 cm Länge Sicherheit bietet. Auch ist die Larvensuche die sicherste Kartiermethode, z. B. mit dem Küchensieb oder mit den Fingern im Quellbachsediment. Mit Ausnahme der kälteren Monate ist sie von der Saison sowie vom Wetter unabhängig und recht effektiv, da sich die Larven, anders als bei Arten der Still- und größeren Fließgewässer, auf eine lineare, gut abzusuchende Struktur verteilen. Sie sind zumeist in Detritus bzw. Sand eingegraben, wobei Gesicht und Abdomenspitze herausragen, kommen aber zuweilen zum Ortswechsel und zur Häutung hervor. Die Suche nach Exuvien kann nicht generell empfohlen werden, hier spielt der Zufall eine große Rolle. Dort wo Quellen von krautiger Vegetation dominiert sind, sind Exuvien auf dieser zu finden, z. B. in Kniehöhe, weniger an Bäumen, Astbruch oder Steinen. Sie lassen sich vor allem in der zweiten Maihälfte bis Anfang Juni finden.

Als Hauptflugzeit dürfen sechs bis acht Wochen gelten, in deren Zentrum der Juli liegt. Bei warmem Sommerwetter patrouillieren die Männchen unentwegt entlang der meist schattigen Quellen. Einen Anlass, sich niederzusetzen, haben sie in der Regel nur bei mäßigeren Temperaturen. Dann sonnen sie sich gern an lichten Stellen, z. B. Waldwegböschungen, oft an aufragenden Sitzwarten in Bodennähe. Diese Ruhezeiten können länger sein als die Flugphasen, und die Fluchtbereitschaft ist dann extrem herabgesetzt, so dass bei vorsichtiger Annäherung leicht Nahbeobachtung und Makrofotografie möglich sind. An Tagen mit Sommerhitze meiden sie die Sonne dagegen sehr strikt. Die Adultenerfassung ist allenfalls für großmaßstäbliche Gebietserfassungen sinnvoll, da aufgrund der räumlich weit verstreuten Population jeweilige Teilhabitate vielfach nur zeitweise oder sporadisch beflogen werden.

Text veröffentlicht am 24.09.2014

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