Erythromma lindenii – Saphirauge

 von Mathias Lohr

Erythromma lindenii findet sich in stehenden oder langsam fließenden, besonnten Gewässern mit einer zumeist gut ausgebildeten Unterwasservegetation. Das ursprüngliche Habitat dürfte in strömungsberuhigten Bereichen der Tieflandflüsse gelegen haben, wo die Art in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstmals für Deutschland an der Ems bei Münster (NRW) nachgewiesen wurde. Für Niedersachsen gelang der Erstnachweis erst gut 100 Jahre später durch Berthelmann (1989) an einem Abgrabungsgewässer im Oberweserraum. Dort war im folgenden Jahrzehnt eine rasche Häufigkeitszunahme zu beobachten, so dass sie heute zu den häufigen Kleinlibellenarten der Kiesgruben dieser Region zählt. Diese stellen Sekundärhabitate für die Art dar. Auch in einigen anderen Regionen Niedersachsens gelangen in der Folge Funde, so vor allem im nördlichen Harzvorland. Einzelfunde liegen außerdem für das Leinetal, die Mittelweser sowie Teile der Ems-Hunte-Geest und Dümmer Geestniederung vor. Hier liegt auch der bislang nördlichste bekannte Fundort für Niedersachsen und für Deutschland in der Region südwestlich von Bremen. Da in den letzten Jahrzehnten vermehrt Ausbreitungstendenzen für die Art in Richtung Norden und Nordosten zu beobachten waren, dürfte die Fundortdichte auch im Norddeutschen Tiefland höher sein, als es die momentane Verbreitungsübersicht widerspiegelt. Auch die nördliche Verbreitungsgrenze dürfte weiter reichen, als es die bislang bekannten Funde dokumentieren.

Männchen der Art besetzen Sitzwarten über freien Wasserflächen oder an deren Rändern, zumeist einige Zentimeter über der Wasseroberfläche. Hierzu nutzen sie Stängel oder andere Pflanzenteile, die etwas aus dem Wasser herausragen. Die Eiablage wird meist in untergetauchte Pflanzenbestände im Tandem vollzogen, wobei die Tiere an der Wasseroberfläche sitzen und die Weibchen die Eier in oberflächennahe Pflanzenteile legen. Die Männchen sind an den auffallend langen Cerci, den spitzen, speerförmigen schwarzen Zeichnungselementen auf den Hinterleibssegmenten 3 bis 6 und dem pokalförmigen Abzeichen auf dem zweiten Hinterleibssegment zu erkennen.

Erythromma lindenii hat eine lange Flugzeit. Erste Tiere schlüpfen in manchen Jahren bereits Anfang oder Mitte Mai. Die Hauptflugzeit erstreckt sich zwischen Mitte Juli und Mitte August. Ab Ende August nimmt die Anzahl der Beobachtungen meist rasch ab, die spätesten Nachweise gelangen Ende September.

Text veröffentlicht am 21.07.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Erythromma_lindenii

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