Gomphus flavipes – Asiatische Keiljungfer

von Mathias Lohr

Gomphus flavipes besiedelt strömungsberuhigte Bereiche großer Fließgewässer. Aufgrund der geringen Fließgeschwindigkeiten lagern sich in Ufernähe oder im Strömungsschatten von Hindernissen wie Sandbänken oder Totholz Feinsedimente ab, in denen die Larven leben. Sekundärlebensräume sind die Zwischenbuhnenfelder der größeren Ströme wie Elbe und Weser, in denen zwischen den quer zur Fließrichtung ins Wasser ragenden Buhnenbauwerken die Fließgeschwindigkeit künstlich verringert ist. Aus Nordrhein-Westfalen wurden auch Funde aus Schifffahrtskanälen bekannt.

Nachdem die Art im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei Lüneburg und an der Elbe nachgewiesen worden war, galt sie bis in die 1990er Jahre hinein für Westdeutschland als verschollen. Im Jahr 1996 wurde G. flavipes für Niedersachsen an der Elbe bei Pevestorf wiedergefunden. Seitdem gelangen zahlreiche Funde an der Elbe, Weser und Aller. Während die Untere Mittelelbe fast durchgehend besiedelt ist, beschränken sich die Funde an der Weser bislang auf den Abschnitt zwischen Bremen und der Allermündung. Die Aller ist in ihrem unteren Abschnitt besiedelt. Für die Oberweser gelang nördlich von Holzminden 1999 der Einzelfund einer Imago. Hinweise auf bodenständige Vorkommen in der Mittel- und Oberweser fehlen jedoch bislang. Hier sowie an der Ems und an den Schifffahrtskanälen sollte gezielt nach der Art gesucht werden.

Nach dem Schlupf verlassen die Imagines von G. flavipes das Gewässer und kehren zur Fortpflanzung meist nur kurzzeitig hierhin zurück. Sie sind daher schwer nachzuweisen. Funde der Art gelingen hingegen oftmals durch Exuvien, die sich zwischen einigen Dezimetern und wenigen Metern Entfernung zur Uferlinie an strömungsberuhigten Abschnitten senkrecht oder waagerecht am oder auf dem Ufersubstrat finden. An geschützten Stellen halten sich die Exuvien u.U. längere Zeit. Auch im Spülsaum lassen sich manchmal ältere Exuvien finden, deren genauer Schlupfort dann jedoch nicht mehr zu ermitteln ist. An Stromabschnitten, an denen Wellenschlag durch Schiffe auftritt, schlüpft die Art oft weiter von der Wasserlinie entfernt als an solchen ohne Schiffsverkehr.

Die meist lange Schlupfzeit von G. flavipes beginnt im Juni und kann sich bis in den August hinein erstrecken. Die wenigen Imaginalbeobachtungen aus Norddeutschland liegen zwischen Juni und Anfang September.

Text veröffentlicht am 21.07.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Gomphus_flavipes

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