Gomphus pulchellus – Westliche Keiljungfer

von Frank Suhling

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Die Art kommt im Prinzip in ganz Niedersachsen vor. Laut der aktuellen Karten scheint die Verbreitung aber nicht flächendeckend zu sein. Die Gründe dafür sind unklar. Es mag sicherlich regional Verbreitungslücken geben, z.B. dort wo es wenige Abbaugewässer und Seen gibt. Darüber hinaus könnte Gomphus pulchellus auch etwas im Rückgang begriffen sein und deshalb seltener gefunden werden. Das aktuell erkennbare Verbreitungsmuster in Niedersachsen könnte aber ebenso eine Folge von Erfassungslücken sein. Dort, wo regional nach G. pulchellus intensiv gesucht wurde, ist die Art meist auch gefunden worden, so etwa Anfang der 1990er Jahre im Großraum Braunschweig.

Gomphus pulchellus besiedelt in Norddeutschland vor allem permanente Abbaugewässer, einige natürliche Seen, Stauseen, Altwässer und Kanäle. Gelegentlich wird die Art an Moorweihern gefunden. Flüsse werden ebenfalls besiedelt, aber verglichen mit Abbaugewässern oft in recht geringer Populationsdichte. Dies ist sicher durch Konkurrenz mit den anderen Gomphus-Arten zu erklären, insbesondere Gomphus vulgatissimus besiedelt viele Flüsse inzwischen wieder in guter Dichte. Die Larven graben im sandigen Bodengrund und bevorzugen in Habitatwahlversuchen Substrate, die mit Grobdetritus (Laub) bedeckt sind. Ein Großteil der geschlüpften Individuen eines Gewässers scheint den Reifefraß in umgebenden landwirtschaftlichen und Brachflächen durchzuführen.

Die Art ist ein Neubesiedler, wenn auch schon etwas länger etabliert als andere Neubesiedler unter den Libellen. Der Erstnachweis für Deutschland erfolgte 1881 bei Münster, also nicht weit von Niedersachsen. Schon 1946 erreichte G. pulchellus Hannover, vermutlich dem Mittellandkanal folgend. Bis 1979 wurde entlang dieser Achse bei Schöningen die Grenze zu Sachsen-Anhalt erreicht. Bis 1994 etablierte sich die Art jeweils nördlich und südlich des Mittellandkanals. Erst seit 2010 scheint G. pulchellus dann in Sachsen-Anhalt weiter östlich vorgedrungen zu sein und hat inzwischen bei Magdeburg und Hohenwarthe die Elbe erreicht.

Regional (z.B. im Raum Braunschweig) wurde G. pulchellus in den letzten Dekaden sehr viel seltener nachgewiesen, was sich zum einen aus dem Rückgang der Erfassungsintensität an Abbaugruben erklären dürfte. Zum anderen mag es sich aber auch tatsächlich um einen Rückgang der Bestände handeln. Dafür gäbe es zwei mögliche Gründe: Erstens unterliegen Abbaugewässer einer Sukzession, durch die zumindest kleinere Gewässer ihre Eignung als Lebensraum für die Art einbüßen können. Neue Gewässer in diesem Bereich werden nicht mehr so häufig angelegt, so dass tatsächlich die Anzahl der geeigneten Habitate zurückgehen könnte. Zweitens ist das besonders häufige Auftreten einer Art in den Jahren nach der Neubesiedlung einer Region mit anschließendem Rückgang ein recht typischer Vorgang.

Zur Erfassung eignen sich Larven, Exuvien und Imagines etwa gleich gut, wobei die Exuviensuche vorzuziehen ist, da damit Entwicklungsnachweise im Gewässer verbunden sind. Der Schlupf findet ab Mitte April und vor allem im Mai statt; die Flugperiode dauert etwa bis Mitte Juli. Die Exuvien lassen sich recht gut vom Gewässerrand aus auffinden, da viele Individuen auf offenen Ufern schlüpfen, oft direkt an der Wasserlinie. Die Larven können zum Schlupf aber auch in die Vegetation und gerne auf Bäume gehen, wo die Exuvien dann auch recht hoch sitzen können. Die Exuvien sind leicht bestimmbar: Sie haben die typischen Gomphiden-Fühler aus vier Segmenten und wie alle Gomphus-Arten keine deutlichen Dorsaldornen. Von den anderen Gomphus-Arten sind die Exuvien und Larvenstadien gut durch das fast quadratische 10. Abdominalsegment zu unterscheiden. Bei den anderen Vertretern der Gattung ist dieses Segment breiter als lang. Im Gegensatz zu Gomphus flavipes, mit dessen Larven diejenigen von G. pulchellus bei Erfassungen oft verwechselt wurden, hat G. pulchellus deutliche Grabesporne an den Tibien der Vorder- und Mittelbeine.

Text veröffentlicht am 15.01.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

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