Gomphus vulgatissimus – Gemeine Keiljungfer

von Frank Suhling

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Der Verbreitungsschwerpunkt von Gomphus vulgatissimus in Niedersachsen liegt im Einzugsgebiet der Aller und ihrer Nebenflüsse. Dort ist die Art oft häufig. Auch Teile der Einzugsgebiete von Ems und Hunte, sowie Teile der Weser und das Wendland sind recht gut besiedelt. Daneben gibt es verstreute Einzelfunde. Das weitgehende Fehlen in den Nebenflüssen der Elbe nordwestlich des Wendlandes ist außer für den unmittelbaren Gezeitenbereich schwer nachzuvollziehen. Flüsse, wie die Oste, sollten gut geeignet sein. Hier gibt es eventuell ein Erfassungsdefizit.

Das Spektrum der besiedelten Gewässer reicht von Bächen, mit weniger als fünf Metern Breite, bis hin zu großen Strömen wie der Elbe. Die Larven leben eingegraben im Substrat, das sie aktiv nach Beutetieren durchsuchen. Dabei zeigen sie eine deutliche Präferenz für feine Substrate, die einen gewissen Detritusanteil aufweisen. Grobe Substrate wie Grobsand und Kies werden dagegen ebenso gemieden wie starke Strömung. Die Larven sind im Vergleich zu anderen Gomphiden sehr driftanfällig. Die dorso-ventrale Abflachung wird als Anpassung an das Leben im Substrat gewertet. Die Larven besiedeln in träge fließenden Flachlandflüssen oft die gesamte Gewässersohle, sofern sie nicht zu stark umgelagert wird. Bereiche der Sohle mit sich bewegenden Sandmassen sind ungeeignet, da sich die Larven schlecht wieder befreien können, wenn sie einmal zugeschüttet wurden. In den rascher fließenden Mittelgebirgsflüssen oder den künstlich verengten Strömen mit kiesigem Grund in der Hauptfließrinne sind die Larven auf die ufernahen Bereiche mit verringerter Strömung beschränkt. Die Art kann auch in Seen (vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg), Abbaugewässern und Altwässern vorkommen; über solche Funde in Niedersachsen ist mir jedoch nichts bekannt.

Die Hauptflugzeit erstreckt sich von Anfang Mai bis Juli. Der Beginn der Flugperiode hat sich in Norddeutschland in den letzten Jahrzehnten um mehr als einen halben Monat bis auf Mitte April nach vorn verlagert. Die Flugperiode reichte ursprünglich wohl bis maximal in den frühen August hinein, während seit 1995 immer häufiger spät fliegende Individuen bis Anfang Oktober beobachtet wurden. Einzelne Individuen kommen inzwischen sogar im Herbst zum Schlupf.

Zur Erfassung eignen sich insbesondere Larven und Exuvien. Die Exuvien lassen sich am Besten von der Wasserseite aus auffinden. Die Erfassung sollte bei größeren Gewässern vom Boot aus erfolgen; bei kleineren kann man auch im Gewässer waten. Die Larven gehen zum Schlupf gerne in die Vegetation (auch auf und unter Brennnesseln) und gerne auf Bäume, wo die Exuvien dann auch recht hoch sitzen können. Die Larven sitzen vor allem im frühen Frühjahr nahe des Gewässerrandes in geringer Strömung und sind dort recht einfach mittels eines Wasserkeschers zu fangen. Die Erfassung von Imagines ist aufgrund der kurzen Flugzeit nur dann ergiebig, wenn es im Mai und Juni eine stabile Gutwetterperiode gibt. Durch die komplett schwarzen Beine sind die Imagines recht leicht bestimmbar.

Die Larven und Exuvien haben die typischen Gomphiden-Fühler aus vier Segmenten und wie alle Gomphus-Arten keine deutlichen Dorsaldornen. Die Larven / Exuvien von G. vulgatissimus besitzen (anders als Gomphus flavipes) deutliche Grabesporne an den Tibien der Vorder- und Mittelbeine. Die Larven / Exuvien haben Lateraldornen an den Abdominalsegmenten 6 bis 9 (der Dorn an Segment 6 kann aber recht klein sein) und unterscheiden sich damit von Gomphus pulchellus, der zudem ein fast quadratisches 10. Abdominalsegment hat, während es bei G. vulgatissimus deutlich breiter als lang ist.

Text veröffentlicht am 05.01.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Gomphus_vulgatissimus

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AF_G.vugatissimus_Paar_DK_02 AF_G.vulgatissimus_W_DK 05 AF_G.vulgatissimus_W_DK_01 AF_G.vulgatissimus_M_DK_03

 

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