Lestes virens vestalis – Kleine Binsenjungfer

von Reinhard Jödicke

In Niedersachsen und Bremen kommt – wie im gesamten Mitteleuropa – vom taxonomisch noch nicht befriedigend beschriebenen virens-Komplex ausschließlich das Taxon vestalis vor. Diese Libelle ist bei uns eine Charakterart mesotropher Weiher sowie von Moorgewässern und Schlatts. Die Gewässer sind i.d.R. flach, sonnenexponiert, dennoch windgeschützt und im Uferbereich mit einer gut entwickelten Riedvegetation bewachsen. In den Regenerationsflächen der abgetorften Hochmoore in der Weser-Ems-Region fehlt sie in der Regel. Die besiedelten Biotoptypen sind auf der Geest im niedersächsischen Tiefland verbreitet. Entsprechend zeigt sich hier auch eine deutliche Fundorthäufung auf der Verbreitungskarte. Gleichwohl wurden Vorkommen aus allen Naturräumen gemeldet. Das höchstgelegene Reproduktionsgewässer im Harz befindet sich auf 645 m ü. NHN. Verbreitungslücken, z.B. in den Börden, im Osnabrücker Hügelland und am Nordrand des Weser-Leineberglands, können am ehesten durch das Fehlen geeigneter Biotope interpretiert werden.

Die Art zeigt ein enormes Ausbreitungspotential und taucht auch regelmäßig an Gewässern auf, in denen eine Reproduktion nicht gelingt. Angaben zum Status sind daher von besonderer Wichtigkeit. Bei der Kartierung kann es auch aufschlussreich sein, im Juli und August Heide und Grasfluren abseits der Gewässer zu untersuchen, weil sich dort die reifenden Jungtiere aufhalten und leicht zu erfassen sind.

Lestes virens vestalis ist eine späte Art, deren Flugzeit bei uns meistens erst im Juli beginnt und bis Oktober anhält. Die Geschlechtsreife wird nach ca. sechs Wochen erreicht. In warmen Jahren beginnt der Schlupf bereits Ende Juni. Die Schlupfphase dauert bis August, in manchen Jahren sogar bis Ende September. An Gewässern mit hoher Abundanz und günstigen kleinklimatischen Verhältnissen können regelmäßig noch einzelne Individuen im November angetroffen werden.

Im Vergleich zu anderen Lestes-Arten ist L. virens vestalis kleiner. Ausgefärbte Männchen sind auf einen Blick an der Beschränkung der Abdomenbereifung auf S1 (auf die Segmentseiten begrenzt) und S9-10 zu erkennen. Typisch für beide Geschlechter sind die rötlich-braunen Pterostigmata (zunächst weiß nach dem Schlupf, wie bei allen Lestes-Arten!) mit den seitlichen hellen Randadern und der hell abgesetzte Hinterkopf. Das glänzende Grün der Jungtiere verdüstert sich im Laufe der Reifung und auch weiter noch bis zum Erreichen der Altersphase. Manche Tiere zeigen im Verlauf des Farbwechsels ein metallisches Kupferrot.

Text veröffentlicht am 25.02.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Lestes_virens

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