Leucorrhinia albifrons – Östliche Moosjungfer

von Patrick Masius

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Leucorrhinia albifrons gehört zu den seltensten Libellenarten in Deutschland. Zusammenhängende Vorkommen gibt es lediglich im Nordosten, in den Seenlandschaften Brandenburgs und Mecklenburgs und an der Ostsee. Die Art fliegt an oligo- bis mesotrophen Verlandungsgewässern oder Moorweihern, die meistens im Wald liegen. Im Hauptverbreitungsgebiet weisen die Fortpflanzungsgewässer häufig eine ausgeprägte Schwimmblattvegetation auf, die in den niedersächsischen Reproduktionsgewässern allerdings fehlt.

In Niedersachsen sind wenige lokale Populationen aus der östlichen Landeshälfte bekannt. Die derzeitigen Vorkommen liegen in drei Landkreisen weitgehend isoliert voneinander und die Bestandssituation ist entsprechend fragil. Darüber hinaus gibt es einige Einzelnachweise aus dem Tiefland zwischen Lüneburg, Braunschweig und Hannover, die auf wandernde Tiere zurückgehen. Im Solling wurde in den Jahren 2011 und 2012 jeweils ein einzelnes Männchen an zwei unterschiedlichen Gewässerkomplexen nachgewiesen. Es ist möglich, dass hier eine bislang unentdeckte Population existiert. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg befinden sich die beständigsten Vorkommen des Bundeslandes. Im Bereich der Elbaue bei Laase und in den umliegenden Wald- und Offenlandgebieten ist L. albifrons seit 1998 an drei verschiedenen Gewässern nachgewiesen worden. Alle weisen einen sandigen Grund auf. Eine Schwimmblattvegetation fehlt, dafür dominieren Rohrkolben, Teichschachtelhalm oder Schilf. Aktuell wird allerdings nur eines dieser Gewässer, der Lucie Teich, zur Reproduktion genutzt. An diesem flachen, im Jahr 2001 im Zuge einer Ausgleichsmaßnahme entstandenen Gewässer beobachteten Eva und Wulf Kappes in den letzten Jahren bis zu 20 fliegende Individuen. Weitere Vorkommen befinden sich in der Südheide im Landkreis Celle. Im NSG „Breites Moor“ wurde L. albifrons zwischen 2008 und 2014 in geringer Abundanz nachgewiesen. Durch Exuviennachweis wurde eine Reproduktion belegt. In 2012 wurde ein weiteres reproduzierendes Vorkommen in einem Moor an der Örtze bei Altensalzkoth festgestellt. Irgendwann zwischen 2005 und 2008 hat L. albifrons außerdem die flachen Gewässer mit ausgedehnten Binsen- und Schachtelhalmbeständen des offengelassenen Diabas-Steinbruchs bei Wolfshagen besiedelt und reproduziert sich dort erfolgreich in großer Zahl. In der Saison 2012 sammelten Wolfgang und Ursula Specht beispielsweise 200 Exuvien. Insgesamt zeigt sich bei L. albifrons in Niedersachsen eine Ausbreitungstendenz in den letzten Jahren. Es handelt sich bei den besiedelten Gewässern, wie in Mitteleuropa die Regel, um Sekundärhabitate, z.B. ehemalige Fischteiche, Steinbruchgewässer oder Torfstiche.

Nachweise der Art sind weniger schwer zu erbringen als bei der Schwesterart Leucorrhinia caudalis, da L. albifrons häufig Sitzwarten in der Vegetation im Uferbereich der Gewässer nutzt. In Brandenburg kommen L. albifrons und L. caudalis stellenweise an denselben Seen vor, in Niedersachsen sind Beobachtungen beider Arten bislang nur aus den Mooren im Landkreis Celle bekannt. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal zu L. caudalis bietet das schlanke Abdomen, das zylindrisch und nicht keulenförmig verdickt ist. Auch ist die blaue Bereifung weniger stark ausgedehnt und weniger intensiv als bei L. caudalis. Sie erstreckt sich hauptsächlich auf die Segmente 3-4 und kontrastiert nicht so stark mit den hinteren Segmenten. Letztlich unterscheidet sich L. albifrons durch das schwarzbraune Pterostigma von L. caudalis, bei der das Pterostigma weiß ist. Dieses Merkmal eignet sich gut zur Unterscheidung mit dem Fernglas. Allerdings ist Vorsicht geboten: Zum einen tragen nur reife Männchen von L. caudalis das weiße Flügelmal, zum anderen ist es nur oberseits weiß. Von unten ist es dunkel und kann deshalb bei Beobachtung von vorn zu einer Verwechslung mit L. albifrons führen. Neue Nachweise sollten aufgrund der Seltenheit der Art immer mit Fotobeleg versehen werden. Außerdem sind Hinweise auf eine mögliche Reproduktion von besonderer Bedeutung (Paarungsräder, Eiablage, Exuvien). Die Art fliegt von Mitte Mai bis in den August hinein, die Hauptflugzeit liegt im Juni.

Text veröffentlicht am 01.02.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

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