Leucorrhinia caudalis – Zierliche Moosjungfer

von Werner Burkart

Leucorrhinia caudalis

Leucorrhinia caudalis ist sowohl in Gestalt und Färbung als auch vom Verhalten her markant und gut erkennbar. Wie die übrigen Moosjungferarten auch, hat L. caudalis eine weiße Stirn- und Kopfschildpartie; der Hinterleib ist auffällig keulenartig verbreitert, die kurzen Hinterleibsanhänge sind weiß gefärbt. Verwechseln lässt sich die Art allenfalls mit Leucorrhinia albifrons, die allerdings nicht den keulig verbreiterten Hinterleib aufweist. Die Flügelmale von L. caudalis sind von oben weiß und mit dem Fernglas gut erkennbar; bei L. albifrons sind sie hingegen dunkel gefärbt.

Die Reproduktionsgewässer sind Weiher, Teiche und Seen, in der Mehrzahl Sekundärgewässer, meist entstanden durch Bodenabbau. Sie weisen eine ausgeprägte Schwimm- und Tauchblattvegetation auf, gelegentlich dominieren aber auch flächig ausgebildete Algenwatten.
Sie liegen windgeschützt und immer gut besonnt in ausreichendem Abstand zu hohen Baumkulissen. Die Koexistenz der Larven mit Fischen ist bekannt, in der Regel werden die Gewässer fischereilich oder als Angelteiche genutzt.

Seit 2008 hat die Art bei Libellenkundlern unerwartet für Überraschung und Freude gesorgt. Nachdem lange Jahre in Niedersachsen mit Ausnahme des äußersten östlichen Teils keine Nachweise mehr gelungen waren, kam es im Stadtgebiet von Hannover sowie im Bremer Raum und im Landkreis Celle zu einer Reihe von Beobachtungen und Reproduktionsnachweisen. Mit einem bisher unbekannten Vorkommen im Landkreis Harburg ist 2014 der bisher nordöstlichste Punkt in der niedersächsischen Verbreitung festgestellt worden.

Die Klärung der Frage, ob sich der Ausbreitungstrend, der in jüngster Zeit auch in Hessen beobachtet wurde, in Niedersachsen stabilisiert bzw. fortsetzt, ist eine gezielte Suche wert. Dazu sollten Gewässer mit den beschriebenen Merkmalen zur Hauptflugzeit, die vom Mai bis in den Juli reichen kann, aufgesucht werden. Mit dem Fernglas lassen sich die territorialen Männchen auf vergleichsweise große Entfernung erkennen: Sie unterscheiden sich durch ihre schwärzliche Grundfarbe sowie durch das weiße Flügelmal von anderen Großlibellen. In typischer Weise besetzen sie ein bestimmtes Teichrosenblatt oder andere Schwimmblattpflanzen, fliegen von Zeit zu Zeit kurz auf, um Konkurrenten zu vertreiben oder ein Weibchen anzulocken und kehren zum Ausgangspunkt zurück. Besonderes Augenmerk sollte auf Reproduktionsnachweise anhand von Emeregenzbeobachtungen bzw. Exuvienfunden gerichtet werden. Der Schlupf findet in Ufernähe an senkrechten Halmen, Blättern o.ä. statt, meist kurz oberhalb der Wasserspiegelhöhe, zuweilen bis zu einem halben Meter hoch.

Text veröffentlicht am 31.01.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Leucorrhinia_caudalis

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