Ophiogomphus cecilia – Grüne Flussjungfer

von Frank Suhling

AF_O.cecilia_M_AB_03Die Schwerpunkte der Verbreitung von Ophiogomphus cecilia sind das Weser-Aller-Flachland, die Lüneburger Heide und der südliche Teil der Stader Geest. Weit verbreitet ist die Art im Einzugsgebiet der Aller sowie in der Wümme und der Ilmenau. Einige Funde gibt es auch aus der Weser unterhalb der Allereinmündung. Im gesamten Bereich der Küste (Marschen) und im westlichen Tiefland fehlt O. cecilia fast vollständig, abgesehen von Einzelfunden und entlang eines Abschnitts der Hunte. Gleiches gilt für die Börden und die Hügelländer; aus dem Harz gibt es keine Funde.

Die Habitate decken sich weitgehend mit der Verbreitung der sand- und lehmgeprägten Tieflandflüsse sowie der kiesgeprägten Tieflandflüsse (Gewässertypen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser, kurz LAWA). Die Larven leben bevorzugt in sandig-kiesigen Bereichen der Gewässersohle. Große Populationen kann es in allen unterschiedlichen Ausprägungen dieser Tieflandflüsse geben, von stark beschatteten kleineren Gewässern, wie der Lutter, bis zu schon recht breiten und offenen Flüssen, wie der Aller. Wie Larvenfunde und häufiges Auftreten von Adulten aus dem Okerumflutgraben in Braunschweig belegen, geht die Art auch in bebaute Innenstadtbereiche.

Die Anzahl der Fundmeldungen lässt keine Aussage über die Bestandsentwicklung zu, da in den 1980er und frühen 1990er Jahren jeder, der die Art sehen und fotografieren wollte, in die Lüneburger Heide gefahren ist und diese Beobachtungen dann vermutlich gemeldet hat. Durch wiederholte Erfassungen an einzelnen Gewässern kann aber durchaus ein Trend zur Erweiterung des Verbreitungsgebietes seit Mitte der 1990er Jahre festgemacht werden. So wurde das System der Oker nachweislich erst ab etwa 1994/95 besiedelt; bei Erfassungen davor wurde die auffällige Art nie angetroffen. Heute sind die Oker sowie die einmündende Schunter und Nebengewässer recht dicht besiedelt. Im Westen Niedersachsens sollte in den sand- und lehmgeprägten Tieflandflüssen verstärkt nach O. cecilia gesucht werden. Das Fehlen der Art dort könnte aber auch klimatische Gründe haben.

Ophiogomphus cecilia ist in die Gefährdungskategorie 3 der Roten Liste eingestuft. Der Hauptgrund dafür ist ein sehr negativer langfristiger Bestandstrend. Diese Einschätzung beruht ausschließlich auf der Annahme, dass „früher alles besser war“. Belege für größere Populationen oder eine weitere Verbreitung in Niedersachsen vor 50 oder 100 Jahren gibt es nicht. Richtig ist, dass O. cecilia ein zumindest bis heute eingeschränktes Verbreitungsgebiet in Niedersachsen hat und sicher eine Ziel- und Indikatorart für den Zustand der sand- und lehmgeprägten Tieflandflüsse ist. O. cecilia ist in Anhang II und IV der FFH Richtlinie aufgeführt.

Je nach Gewässertyp treten Unterschiede im Schlupfbeginn auf. An den eher offenen, wärmeren Gewässern kann der Schlupf schon Anfang Juni beginnen (an sehr großen sogar schon eher), an weniger großen Fließgewässern wie z.B. den kleinen sommerkühlen Bächen der Lüneburger Heide oft erst Anfang Juli. Die Dauer der Schlupfperiode kann stark schwanken und erstreckt sich bis über 50 Tage. Die Hauptflugzeit liegt im Juli und August; einzelne Imagines können durchaus bis in den Oktober angetroffen werden.

Zur Erfassung eignen sich Larven, Exuvien und Imagines etwa gleich gut, wobei natürlich die Exuviensuche vorzuziehen ist, da damit Entwicklungsnachweise im Gewässer verbunden sind. Am Besten lassen sich Exuvien von der Wasserseite aus erfassen, z.B. von einem Boot aus oder in flacheren Gewässern auch watend. Die Exuvien sind leicht bestimmbar: Sie haben die typischen Gomphiden-Fühler aus vier Segmenten, recht kurze Beine, Lateraldornen an den Abdominalsegmenten 7 bis 9 und vor allem sehr deutliche Dorsaldornen. Letzteres ist bei anderen Gomphiden-Exuvien in Niedersachsen nicht anzutreffen. Onychogomphus forcipatus, der theoretisch vorkommen könnte, hat nur schwach entwickelte Dorsalhöcker und Lateraldornen an den Segmenten 6 bis 9. Die Imagines sind sehr auffällig, wenn sie oft lange Strecken in der Gewässermitte fliegen (insbesondere bei großen Flüssen). Dann können sie mit dem Fernglas gut beobachtet werden und sind aufgrund ihrer kontrastierenden gelb-grünen Färbung nicht zu verwechseln. Auf Sitzwarten sind sie vermutlich aufgrund der Färbung nicht immer gut zu sehen.

Text veröffentlicht am 07.08.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Ophiogomphus_cecilia

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