Orthetrum brunneum – Südlicher Blaupfeil

 von Rainer Buchwald

Orthetrum brunneum_M

Orthetrum brunneum ist eine holomediterrane Art, deren Areal in Europa von der Atlantikküste (W-Frankreich) bis weit nach Osteuropa hinein reicht. In Deutschland hat sich die Art in den vergangenen Jahrzehnten vom Süden und Osten weit in den Nordwesten ausgebreitet; in Niedersachsen ist sie erst vor etwa drei Jahrzehnten bodenständig geworden. Aus diesem Bundesland gibt es Nachweise vor allem aus dem Raum Hannover, dem Wendland und dem südostlichen Hügel- und Bergland; (sehr) wenige Beobachtungen liegen aus dem Harzvorland, der Lüneburger Heide, dem Raum Osnabrück, nördlich Bremen und dem Weserbergland vor.

Orthetrum brunneum besiedelt Quellrinnsale und kleinflächige, grundwasserbeeinflusste Stillgewässer in Materialentnahmestellen, flache, offene Wiesenbäche und –gräben (oft gemeinsam mit Coenagrion mercuriale und Orthetrum coerulescens) sowie (sehr) selten Niedermoore (besonders Quell- oder Hangmoore) und Sümpfe. Es handelt sich um flache, besonnte, wenig bewachsene, sommerwarme, meist leicht fließende, permanente Gewässer, die im Winter nicht durchfrieren. Die Larven weisen eine ein- bis zweijährige Entwicklung auf und leben bevorzugt in lehmigem oder tonigem, seltener sandigem oder torfigem Substrat dieser Gewässertypen.

Innerhalb der Gattung ist O. brunneum aufgrund des rotbraunen Pterostigmas und (bei Männchen) der tiefblauen Brust leicht erkennbar. Die Art ist länger und robuster gebaut als O. coerulescens und weist im Gegensatz zu dieser Art meist mehr als drei Zellverdopplungen zwischen Radiusschaltader und unterstem Radiusseitenast auf.

Der Nachweis von O. brunneum ist am leichtesten über die Imagines möglich, deren Männchen in der Regel deutlich erkennbare Reviere bilden. Aufgrund der meist nur lückig ausgebildeten Vegetation (Deckungsgrad 1 – 30%) sind Larven und Exuvien leicht auffindbar; nur in Bächen und Gräben mit stärker bewachsenen Uferbereichen (Deckungsgrad > 30 – 40%) ist eine gezielte Suche nach diesen mit hohem Aufwand verbunden und für eine quantitative Bestandsaufnahme kaum erfolgversprechend.

Die Phänologie von O. brunneum liegt um zwei bis drei Wochen hinter derjenigen von O. coerulescens; die Hauptflugzeit erstreckt sich von Ende Juni bis Mitte/Ende August, an besonders warmen Flachgewässern sind erste Imagines sogar schon Ende Mai zu beobachten.

Aufgrund seiner Pioniereigenschaften gelingt es O. brunneum immer wieder, neue Gewässer in Materialentnahmestellen sowie Bäche/Gräben unmittelbar nach Unterhaltung zu besiedeln. Die Art scheint gegenüber Verschmutzung und intensiver Gewässerunterhaltung weniger empfindlich zu sein als die Schwesterart O. coerulescens, von der sie allerdings mit zunehmenden Bewuchs der Reproduktionsgewässer weitgehend auskonkurriert wird. Ob O. brunneum in Niedersachsen gefährdet ist, dürfte schwer einzuschätzen sein; Beschränkungen der Besiedlungsmöglichkeiten liegen in erster Linie in der Verfügbarkeit wenig bewachsener Quellhabitate und Fließgewässer und in den hohen thermischen Ansprüchen dieser mediterranen Art.

Text veröffentlicht am 19.03.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Orthetrum_brunneum

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