Sympecma fusca – Gemeine Winterlibelle

 von Christian Fischer

AF_S.fusca_W_CF 01Von Sympecma fusca wird der größte Teil Mittel- und Südeuropas besiedelt, dazu Westasien bis zur Kaukasusregion. Auf den Britischen Inseln, in Skandinavien und im Baltikum fehlt die recht thermophile Art dagegen in weiten Bereichen.

In Mitteleuropa werden wärmebegünstigte Gewässer der Tieflagen besiedelt. Innerhalb Niedersachsens mit Bremen zeigen die Karten eine deutliche Rasterpunkthäufung im östlichen Tiefland (Stader Geest, Teile der Lüneburger Heide, Wendland mit Elbtalaue, Weser-Aller-Flachland). Gerade in den letzten Jahren gelangen aber auch vermehrt Feststellungen in westlichen Landesteilen (Friesland/Ammerland, Cloppenburg/Oldenburg, nördliches Bremer Umland, Osnabrücker Hügelland). Andererseits sind nach wie vor große Gebiete im Westen ebenso ohne Artnachweis wie das südliche Hügel- und Bergland. Bei letzterem gibt es jedoch zumindest im nördlichen Harzvorland lokal gehäufte Funde. Im Harz selbst ist die Art nicht bodenständig.

Die außergewöhnliche Eigenschaft der Gattung, als Imago zu überwintern, wirkt sich auf ihre Lebensraumansprüche aus: Besondere Bedeutung haben deshalb die Landhabitate, die sowohl genügend Nahrungsangebot als auch Versteck- und Überwinterungsplätze bieten müssen. In dem Zusammenhang sind etwa gebüschreiches Grasland und Staudenfluren sowie Heiden zu nennen, außerdem lichte Wälder mit krautiger Bodenvegetation. In räumlicher Nähe müssen geeignete Reproduktionshabitate vorhanden sein. Dazu gehören in erster Linie naturnahe Stillgewässer – oder auch strömungsberuhigte Abschnitte von Fließgewässern – mit längerer Sonnenexposition sowie Verlandungsvegetation, etwa aus Seggenrieden, Röhrichten bzw. entsprechendem vorjährigen, flutenden Pflanzenmaterial. Temporäre Gewässer, die während der Larvalphase (Frühjahr/Sommer) austrocknen, können nicht zur Fortpflanzung genutzt werden, wohl aber saisonal wintertrockene Gewässer wie etwa abgelassene Fischteiche.

Sympecma fusca ist eine farblich unscheinbare, gut getarnte Kleinlibelle, die leicht zu übersehen ist. Außerdem hat sie ungewöhnliche Flugzeiten: Als oft erste Libellenart überhaupt wird sie an warmen Frühlingstagen an Gewässern paarungsaktiv, manchmal bereits in der letzten Märzdekade, meist aber im April. Die Paarungs- und Eiablageperiode kann sich anschließend – mit einem Höhepunkt im Mai – bis zum Sommeranfang hinziehen. Dann verschwinden die alten Tiere allmählich, und im Verlauf des Juli beginnt die Emergenz der neuen Generation. Diese „frischen“ Imagines kann man dann wieder bis zum Ende des Libellenjahres beobachten (Schwerpunkt im August und September) und gelegentlich sogar im Winter ruhend antreffen. Die Art als solche ist eindeutig zu identifizieren, allerdings sollte man anhand der Thoraxzeichnung Sympecma paedisca „routinemäßig“ ausschließen, auch wenn diese Spezies bei uns sehr selten ist und derzeit nur punktuell aus dem Raum Cloppenburg (Thülsfelder Talsperre) belegt ist.

Text veröffentlicht am 18.12.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Sympecma_fusca

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AF_S.fusca_M_AB 03 AF_S.fusca_W_RJ 02 AF_S.fusca_Eiablage_AB 04 AF_S.fusca_M_KD 05

 

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