Sympetrum fonscolombii – Frühe Heidelibelle

 von Christian Fischer

AF_S.fonscolombii_M_ AB 01Sympetrum fonscolombii ist ein wärmeliebendes Faunenelement mit Schwerpunktvorkommen im Mittelmeerraum, außerdem tritt die Art in Afrika sowie in Asien ostwärts bis nach China und Japan auf. Nach Mitteleuropa gelangt diese Wanderlibelle in invasionsartigen Schüben und dringt dabei bis an die südlichen Nord- und Ostseeküsten sowie nach Schleswig-Holstein vor. Seit den 1990er-Jahren häufen sich – begünstigt durch wärmere Witterungsphasen – entsprechende Invasionsjahre. Die erfolgreiche Entwicklung von S. fonscolombii in Niedersachsen ist durch Schlupfnachweise bzw. Exuvienfunde belegt.

Aufgrund des Wanderverhaltens und unregelmäßigen Erscheinens ergibt sich aber kein einheitliches Verbreitungsbild bei uns. Die Rasterkarten für Niedersachsen/Bremen zeigen eher ein Abbild der Zufallsbeobachtungen von saisonalen Einflügen und der Anwesenheit von Kartierern. Während des großen Einfluges 2007 wurde selbst im Oberharz ein Durchzügler nachgewiesen. Gewisse Rasterpunkthäufungen sind in der Südheide und im Wendland auszumachen; es überwiegen aber weit auseinanderliegende Streufunde aus dem gesamten Betrachtungsgebiet.

Bei Sichtungen adulter Tiere ab Mitte Mai und bis etwa Juli – also teilweise noch vor der Emergenz hiesiger Sympetrum-Arten – kann man davon ausgehen, dass es sich um aus dem Süden eingeflogene Exemplare handelt. Im Spätsommer und Herbst beobachtete Tiere sind vermutlich im Gebiet aufgewachsene Nachkommen der (eingewanderten) Frühjahrsgeneration – die Larvenentwicklung verläuft mit kaum mehr als zwei Monaten ausgesprochen schnell. Der Schlupf der zweiten Generation beginnt i.d.R. im Juli und kann sich vereinzelt bis in den Oktober hinziehen. Diese Tiere kehren nicht zur Reproduktion an die Gewässer zurück; es wird angenommen, dass sie nach Süden abwandern. Das vorläufige Phänogramm zeigt trotz noch vergleichsweise geringer Datenbasis schon einen solchen zweigipfeligen Verlauf mit einem zwischenzeitlichen Rückgang der Nachweise im August und einem erneuten Anstieg im September.

Bei Einflügen kann S. fonscolombii an nahezu jedem Gewässer auftauchen. Als Reproduktionshabitate werden im Norden aber nur wärmebegünstigte, spärlich bewachsene Flachgewässer (teilweise pionierartig, z. B. in Abbaugruben oder anderen neu angelegten Sekundärbiotopen mit Rohböden) sowie (bei Gelegenheit) Überschwemmungsflächen genutzt. Auch die Umgebung sollte voll besonnt und nicht zu dicht bewachsen sein. Die Imagines findet man auf halbhoher Vegetation oder – bei kühlerer Witterung – auf offenen Bodenstellen. Insbesondere subadulte Exemplare können auch weit entfernt vom Gewässer angetroffen werden. Für die Dokumentation von Einflügen ist die Differenzierung von zufällig angeflogenen Gewässern einerseits und Reproduktionsgewässern andererseits sowie die Einschätzung des Alters der Tiere besonders wichtig.

Nicht nur durch ihren Lebenszyklus unterscheidet sich S. fonscolombii von „alteingesessenen“ Heidelibellenarten; auch das äußere Erscheinungsbild ist recht markant, so dass die Ansprache gut möglich sein sollte. Es handelt sich um eine relativ große Sympetrum-Art mit zweifarbigen, in der unteren Hälfte blaugrauen Komplexaugen, teils farbiger (gelber oder roter) Flügeläderung und auch im Alter noch blass gefärbten und dunkel gerandeten, breiten Pterostigmata. Die Exuvien zählen dank der fehlenden Rückendornen zu den einfach zu bestimmenden Sympetrum-Arten. Von den ebenfalls rückendornlosen Exuvien von Crocothemis erythraea lassen sie sich u. a. durch die fehlenden Borstenkämme an den Segmenten 7 und 8 unterscheiden.

Text veröffentlicht am 11.12.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Sympetrum_fonscolombii

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