Sympetrum meridionale – Südliche Heidelibelle

von Reinhard Jödicke

Sympetrum meridionale_M

Das Areal dieser Art erstreckt sich von Ostchina nach Westen bis Europa, wo vor allem der Südosten, teilweise auch südwestliche Regionen besiedelt sind. Das Phänomen gelegentlicher Massenentwicklungen in Verbindung mit einer ausgeprägten Wanderneigung hat Sympetrum meridionale auch nach Deutschland gebracht. Hier kam es im jüngsten Zeitraum selbst in der nördlichen Hälfte zu gehäuften Nachweisen. In manchen Gegenden (Süd-)Deutschlands gilt die Art inzwischen als fest etabliert.

Auf der politisch zu Hamburg gehörigen Insel Scharhörn fing Bernd Mlody am 07.09.1979 ein Weibchen der Art bei der Eiablage. Dieses Tier wird mit einiger Wahrscheinlichkeit vom südlich und nächstgelegenen niedersächsischen Festland zugewandert sein. Der erste Nachweis für Niedersachsen gelang indes erst am 09.10.2010, als Eva und Wulf Kappes ein Weibchen am Lucie-Teich im Wendland fotografisch dokumentierten. Zu weiteren Beobachtungen kam es im Jahr 2013. Vor allem aus dem Süden und Osten Niedersachsens meldeten mehrere Beobachter Funde: 1 Weibchen bereits am 10. Juli bei Cuxhaven (Gerd-Michael Heinze), dann alle übrigen im Zeitraum von Mitte August bis Mitte September. Bei all diesen Tieren handelte es sich vermutlich um Wanderer. Ein Teil von ihnen war noch unausgefärbt, was mit Funden an terrestrischen Biotopen korrelierte. Es ist denkbar, dass die in unserer Region gesehenen Tiere in Zusammenhang mit den aus Hessen gemeldeten Schlupferfolgen im Jahr 2013 stehen.

Neben der Meldung eines ausgefärbten Männchens vom 24.07.2014 bei Werlte im Westen Niedersachsens (Kay Fuhrmann) gab es in jenem Jahr (Stand: Dezember 2014) sogar einen Schlupfnachweis: 1 Weibchen vom 12. Juli (Birgit Gast, Torsten Spengler) an einem flachen Weiher mit schwankendem Wasserstand im Norden von Hannover. Weitere unausgefärbte Individuen wurden dort im selben Jahr am 7. Juli und 2. August beobachtet. Im Jahr zuvor (07.09.2013) war dort ein Tandem bei der Eiablage gesehen worden (Birgit Gast, Torsten Spengler und Eckhard von Holdt). Damit gilt die Art als Vermehrungsgast in Niedersachsen.

Typische Reproduktionsgewässer wurden aus dem benachbarten Hessen beschrieben: flache, gut besonnte Gewässer in offener Landschaft mit saisonal wechselnden Wasserständen. Eier werden in die sommertrockenen Randbereiche abgelegt, wo sie im Herbst und Winter überflutet werden. Wichtig für den Reproduktionserfolg ist eine ausreichende Wasserversorgung bis zum Schlupf. Auf Basis deutscher Funddaten kann die Flugzeit von Mitte Juni bis in den November hinein angegeben werden. Nach rund vierwöchiger Geschlechtsreifung beginnen die Fortpflanzungsaktivitäten dann ab Mitte Juli und enden manchmal erst im November.

Auch künftig wird mit Einwanderungen bei uns zu rechnen sein. Noch nicht geschlechtsreife Individuen können überall auftauchen, denn sie zeigen noch keine Bindung an Gewässer. Mature Tiere und deren potentieller Nachwuchs sollten gezielt an sommerlich trockenfallenden Gewässern gesucht werden, an denen auch Lestes barbarus und L. dryas sowie Sympetrum flaveolum und S. sanguineum zur Eiablage fliegen. Die sichere Bestimmung erfordert Erfahrung; gute Belegfotos und/oder Fang sind wichtig. Ein brauchbares Indiz ist die rein rote Oberseite der Abdomenspitze beim Männchen, die bei allen anderen im Gebiet fliegenden Sympetrum-Arten schwarze Flecken aufweist. Andere wichtige Feld- und Lupenmerkmale müssen in Bestimmungsbüchern nachgelesen werden.

Text veröffentlicht am 25.01.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Sympetrum_meridionale

AF_S.meridionale-W-WS 04 AF_S.meridionale_W_GH 03 Sympetrum meridionale_M Sympetrum meridionale_W

 

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