Sympetrum pedemontanum – Gebänderte Heidelibelle

von Christian Fischer

SAF_S.pedemontanum_Paar_CF 01ympetrum pedemontanum ist ein sibirisches Faunenelement – über Weißrussland und Polen erreicht das Areal in einem breiteren Ausläufer westwärts auch Deutschland. Hier ging man bis vor einigen Jahrzehnten von Schwerpunkten der Verbreitung in Teilen Bayerns sowie am Oberrhein aus, während etwa aus Niedersachsen lange Zeit nur Streufunde bekannt waren. Inzwischen gibt es hier in einigen Regionen stetigere Nachweise, und man nimmt einen seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts leicht positiven Bestandstrend mit Ausbreitungstendenzen in Norddeutschland an. Bei Expansionswanderungen vor allem entlang der Stromtäler dürften warme Sommer eine Rolle gespielt haben.

Schwerpunkte der heute bekannten Vorkommen befinden sich in den Tieflagen der naturräumlichen Region Lüneburger Heide und Wendland, im Großraum Bremen oder beispielsweise auch im Bereich der Diepholzer Moorniederung. Jüngst (2014) gelangen zudem Funde bei Quakenbrück (LK Osnabrück) und Großenkneten (LK Oldenburg). Zur niederländischen Grenze hin wird die Art immer seltener; das gilt offenbar ebenso für das südliche Hügelland. Im Nordwesten – Ostfriesland, nördliches Elbe-Weser-Dreieck – scheint eine natürliche Areallücke (Verbreitungsgrenze) zu bestehen.

Sympetrum pedemontanum bevorzugt wärmere, nicht zu stark verschmutzte Gewässer mit Verlandungsvegetation in offener Umgebung (Grünland/Staudenflur). In der Jeetzelniederung des Wendlands zum Beispiel kann man sie entlang von breiteren Gräben und Entwässerungskanälen mit submersen Makrophyten und Röhricht- bzw. Riedstreifen finden. Neben solchen trägen Fließgewässern sollen regional auch sonnenexponierte Stillgewässer mit Wechselwasserzonen besiedelt werden – teils pionierartig und unstetig. Reproduzierende Vorkommen scheinen bei uns jedoch vorwiegend an fließende Gewässer gebunden zu sein. Die Art zeigt zwar selektive Lebensraumansprüche, doch sind die eigentlichen Faktoren der Habitatbindung wohl noch nicht wirklich verstanden.

Primär wird die Spezies auf Bach- und Flussauen des Tief- und Vorgebirgslandes mit ausgeprägter Dynamik der Gewässerstrukturen und Wasserstände konzentriert gewesen sein. Da S. pedemontanum als konkurrenzschwach gilt, dürfte die Habitatwahl zudem von der Zusammensetzung der sonstigen Libellenfauna vor Ort mitbestimmt werden. Wo in Niedersachsen noch mit weiteren Nachweisen zu rechnen ist, lässt sich daher nicht genauer eingrenzen – tendenziell wohl eher in den Bach- und Flusstälern der Osthälfte, lokal aber auch in der Ems-Hunte-Geest.

Die Art fliegt in Norddeutschland schwerpunktmäßig im August und September (Frühsichtungen etwa ab Mitte Juli, Spätfunde bis in den Oktober) in Ufernähe der besonnten, möglichst windgeschützten Reproduktionsgewässer. Es handelt sich um eine der kleineren Sympetrum-Arten mit einem etwas „flatterhaften“, wenig rasanten Flug und längeren Sitzphasen auf niedriger bis halbhoher Vegetation. In der Mittagszeit und bis zum späten Nachmittag ist die Antreffwahrscheinlichkeit am größten. Die braunen Flügelbinden, die eine gewisse Tarnwirkung haben und mit der Umgebung verschmelzen können, machen sie bei beiden Geschlechtern unverwechselbar.

Text veröffentlicht am 01.12.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Sympetrum_pedemontanum

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