Sympetrum striolatum – Große Heidelibelle

von Dietrich Kern und Reinhard Jödicke

AF_S.striolatum_M_ AB_01

Sympetrum striolatum ist eine im Bearbeitungsgebiet weit verbreitete und häufige Art, die an den unterschiedlichsten Gewässern fliegt und dabei keine besonderen Ansprüche zu stellen scheint. Gewässer mit gutem Reproduktionserfolg lassen aber ein deutliches Muster der Habitatselektion erkennen: Meistens handelt es sich um thermisch begünstigte, also flache und frei sonnenexponierte Gewässer mit einer spärlichen Ufervegetation. Dabei kann es sich z.B. um Sand- und Tongruben in einem frühen Sukzessionsstadium, aber auch um Gartenteiche oder langsam fließende Gräben handeln. Auch in den Mooren wird S. striolatum regelmäßig kartiert. Gezielte Untersuchungen im Nordwesten haben jedoch gezeigt, dass die Art in den Mooren erst im September auftaucht und hier trotz hoher Eiablagefrequenz keinen Reproduktionserfolg hat. Das saure Milieu steht der erfolgreichen Larvalentwicklung vermutlich entgegen.

Bei der Verbreitungsinterpretation spielen noch weitere Gesichtspunkte eine Rolle. Zum einen ist es die deutliche, aber nur unzureichend dokumentierte Zunahme in den jüngsten Dekaden, die vermutlich in kausalem Zusammenhang mit dem allgemeinen Temperaturanstieg in diesem Zeitraum steht. Zum anderen gilt es zu bedenken, dass S. striolatum zu den regelmäßig wandernden Arten gehört. Dadurch ist es beim Kartieren kaum einzuschätzen, ob ein Individuum der bodenständigen Population angehört oder zugewandert ist. Es ist z.B. bisher völlig unklar, ob die oben erwähnten herbstlichen Einflüge in die Moore ihren Ursprung aus der unmittelbaren Umgebung oder aus unbestimmt fernen Gegenden haben.

Die Verbreitungskarte des NLWKN spiegelt die hier geschilderten Verhältnisse nicht wider, denn sie zeigt lediglich eine fleckenartige Verbreitung über alle Naturräume Niedersachsens. Dieses Muster berücksichtigt offenbar nicht die Zunahme seit der Jahrtausendwende und darf offensichtlich nicht einfach mit den Karten anderer Arten verglichen werden. Ein weiteres Problem bei der Kartierung von S. striolatum ist auch die Schwierigkeit der Artbestimmung, vor allem der korrekten Abgrenzung gegenüber Sympetrum vulgatum. Sichere Merkmale sind nur die Morphologie der Hamuli als artspezifische Struktur des sekundären Geschlechtsapparats bei den Männchen und der Legescheide bei den Weibchen. Diese Merkmale bleiben selbst bei guten Fotos oft verborgen, so dass in Zweifelsfällen die Bestimmung in der Hand mithilfe einer Lupe notwendig ist. Der in fast allen Bestimmungsbüchern betonte Unterschied im Verlauf des Stirnstreifens kann hilfreich sein, führt aber unter Umständen in die Irre, weil – zumindest in Küstennähe – an den Augenrändern herablaufende Pigmentstreifen auch bei S. striolatum nicht selten sind.

Die Hauptflugzeit fällt in den Zeitraum Juli bis Oktober. In warmen Jahren beginnt der Schlupf regelmäßig schon im Juni. Bemerkenswert ist das Vermögen der Art, an kleinklimatisch günstigen Biotopen bis zum Wintereinbruch zu fliegen. Keine andere mitteleuropäische Art (Ausnahme: die überwinternden Sympecma spp.) hat sich als so kältetolerant erwiesen wie S. striolatum; einzelne Tiere wurden sogar noch im Dezember angetroffen. Zur Dauer der Schlupfperiode und der Reifungsphase gibt es aus Niedersachsen leider nur wenig Daten. Entsprechende Beobachtungen sollten bei jeder Exkursion während der Flugzeit notiert und in die Datenbank der AG gegeben werden, um eine vertiefte Kenntnis über den Jahresrhythmus der Art zu erhalten. Sympetrum striolatum ist eine ursprünglich mediterrane Libellenart, die im Mittelmeergebiet grundsätzlich univoltin ist, d.h. im Jahr nur eine Generation hervorbringt. Aus dem Teilareal nördlich der Alpen, z.B. aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg, gibt es jedoch Indizien für eine gelegentliche zweite Jahresgeneration. Aus Niedersachsen und Bremen gibt zu dieser interessanten Frage bisher keine Erkenntnisse, obwohl unsere Region durch ihre Lage für solche Fragestellungen prädestiniert erscheint.

Text veröffentlicht am 25.02.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Sympetrum_striolatum

Die Nachweiskarte des NLWKN wurde der AG Libellen ausschließlich für den internen Gebrauch zur Verfügung gestellt. Sie wird daher erst angezeigt, wenn man sich als Mitglied der AG auf dieser Website angemeldet hat.

AF_S.striolatum_Paar_ AB 02 AF_S.striolatum_paar_Engelsmeer_AB 03 AF_S.striolatum_W_Thülsfeld_RJ 04 AF_S.striolatum_W_AB 05

 

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