Anax ephippiger – Schabracken-Königslibelle

von Reinhard Jödicke

Von dieser südlichen Invasionsart liegen vier Funde aus unserer Region vor. ADOMSSENT (2007) beobachtete am 26.05.2007 ein matures Männchen an der Ilmenau, 4 km südlich von Bad Bevensen (TK 2929), und interpretierte seinen Fund als niedersächsischen Erstnachweis. Tatsächlich gelang aber bereits am 29.07.2006 die Beobachtung eines Exemplars im Lopautal (TK 2927) (E. & W. Kappes pers. Mitt.). Beide genannten Fundorte liegen im Naturraum Lüneburger Heide.

Am 09.06.2007 sahen E. & W. Kappes (pers. Mitt.) wieder ein Exemplar, diesmal bei Laase südöstlich der Feuerlöschteiche (TK 2933). Am Stresower See südlich von Schnackenburg (TK 2935) gelang am 07.07.2012 die Beobachtung von zwei Exemplaren (E. & W. Kappes pers. Mitt.). Diese beiden Fundorte liegen im Wendland.

Die drei Funde von E. & W. Kappes wurden an den NLWKN gemeldet und werden auch durch die Verbreitungskarte ausgewiesen. Die Publikation von ADOMSSENT (2007) ist dort bisher nicht berücksichtigt.

Die Biologie von Anax ephippiger ist faszinierend, allerdings nur lückenhaft bekannt (z.B. CORBET 1999: 412-413, PETERS & GÜNTHER 2000, GÜNTHER 2005). Demnach wandert die Art regelmäßig nach Massenreproduktion im Winter aus ihrem Stammareal in der afrikanischen und vorderasiatischen Savanne über die Sahara und Arabische Wüste in einen Invasionsraum rund um das Mittelmeer, manchmal sogar noch weiter nach Norden, z.B. bis Island. Diese wandernden Tiere schreiten im Frühjahr zur Eiablage und produzieren so eine Sommergeneration. Das Schicksal der im Invasionsraum geschlüpften Tiere ist ungewiss, auch gibt es keinen Hinweis auf eine Larvenüberwinterung im Invasionsraum.

Bei Funden in Bremen und Niedersachsen ist es nicht nur wichtig, eine sichere Unterscheidung von Anax parthenope zu treffen, sondern es gilt auch, durch gute Verhaltensbeobachtung und Alterstaxierung einzuschätzen, ob es sich um Invasionsmigranten oder um die Sommergeneration handelt. Jedes Detail kann hier hilfreich sein.

Literatur

ADOMSSENT M. (2007) Erstnachweis der Schabrackenlibelle Anax ephippiger (Burmeister, 1839) für Niedersachsen (Odonata). Entomologische Nachrichten und Berichte 51: 137-139

CORBET P.S. (1999) Dragonflies. Behaviour and biology of Odonata. Harley Books, Colchester

GÜNTHER A. (2005) Anax ephippiger in Deutschland – immer Invasionen in eine Sackgasse? (Odonata: Aeshnidae).Libellula 24: 241-247

PETERS G. & A. GÜNTHER (2000) Frühjahrsbeobachtungen an Anax ephippiger auf Rhodos nebst Anmerkungen zum Invasionsraum der Art (Odonata: Aeshnidae). Libellula Supplement 3: 49-61

Text veröffentlicht am 21.07.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Anax_ephippiger

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