Coenagrion armatum – Hauben-Azurjungfer

von Christian Winkler

Coenagrion armatum ist eine unauffällige, früh im Jahr fliegende Kleinlibelle, die leicht übersehen werden kann. Aus Niedersachsen sind keine aktuellen Vorkommen bekannt.

Im benachbarten Schleswig-Holstein tritt C. armatum heute ausschließlich in Moor- und Heidegebieten mit atlantischer Klimaprägung auf. Charakteristische Fortpflanzungsgewässer sind dort Torfstiche in gestörten Hoch- und Übergangsmooren sowie Heideweiher. Ein älterer Nachweis liegt von einem brackigen Koog-Gewässer an der Nordseeküste vor. Die besiedelten Gewässer sind durchweg als mesotroph zu charakterisieren und weisen in der Regel eine dauerhafte Wasserführung auf. Von zentraler Bedeutung ist die Existenz von etwa knietiefen Flachwasserzonen, die von lückigen Binsen-, Ried- oder Röhrichtbeständen eingenommen werden. Dabei ist die Vegetationsstruktur entscheidend und nicht das Vorhandensein bestimmter Pflanzenarten. Allerdings scheinen überstaute Bestände der Flatterbinse (Juncus effusus) besonders günstige Habitateigenschaften zu bieten.

In Niedersachsen wurde die letzte bekannte Population zwischen 1988 und 1991 im Elbtal bei Tespe erfasst (O. Jakszentis, Daten des NLWKN). Eine weitere Meldung aus diesem Zeitraum aus dem Weser-Aller-Flachland wurde aus dem Datenbestand des NLWKN gelöscht, da sie offenbar als zweifelhaft eingestuft wurde (T. Herrmann pers. Mitt.). Darüber hinaus liegen einzelne Altdaten aus der Zeit von ca. 1800 bis 1966 vor. Von diesen ist in der Verbreitungskarte lediglich der Nachweis am Buchwedel südlich von Hamburg dargestellt (BORCHMANN in ROSENBOHM 1931). Nicht enthalten sind die Fundorte aus dem Umkreis von Leese am Steinhuder Meer (HANSEMANN in SELYS-LONGCHAMPS & HAGEN 1850) sowie aus der Umgebung von Lüneburg (HEYER in CHARPENTIER 1840) und dem Raum Hitzacker/Pevestorf (ohne konkreten Fundort und Melder, ROSENBOHM 1966).

Betrachtet man das aktuelle Verbreitungsbild von C. armatum in Westeuropa, so ist anzunehmen, dass die Art zumindest ehemals auch im Nordwesten Niedersachsens aufgetreten ist. In dieser Region könnte eine Nachsuche besonders vielversprechend sein, da einige der dort verbliebenen Moor- und Heidegebiete bislang nur unzureichend odonatologisch untersucht wurden.

In Schleswig-Holstein fliegt C. armatum von etwa Ende April bis Anfang/Mitte Juni, wobei die Hauptflugzeit i.d.R. auf die erste Mai-Dekade entfällt. Ein Nachweis der Art setzt vielfach das Tragen von Watstiefeln oder einer Wathose voraus, da die versteckt zwischen den Binsen-, Ried- oder Röhrichtpflanzen fliegenden Imagines vom Ufer aus leicht übersehen werden können. Zusätzlich ist der Einsatz eines Fernglases sehr hilfreich. Zu beachten ist, dass sich die Imagines bei Störungen auf der Rückseite von Uferpflanzen verstecken oder sich in die Vegetation fallen lassen. Darüber hinaus ist wichtig, dass bei der Suche sehr vorsichtig vorgegangen werden muss, um eine Schädigung der Ufervegetation und das eigene „Absaufen“ im Gewässer zu vermeiden.

Die Männchen von C. armatum können leicht mit den Imagines von Ischnura elegans verwechselt werden. Charakteristische Merkmale der C. armatum-Männchen sind die auffallend großen unteren Hinterleibsanhänge, das Fehlen von Antehumeralstreifen und das einfarbige Pterostigma. Die Weibchen von C. armatum können ebenfalls mit den Imagines von I. elegans sowie den Weibchen anderer Coenagrion- Arten verwechselt werden. Zur sicheren Unterscheidung sollte in diesen Fällen der Hinterrand der Vorderbrust betrachtet werden. Da aktuelle Nachweise von C. armatum aus Niedersachsen fehlen, sollten alle Beobachtungen durch Fotos belegt werden.

Literatur

CHARPENTIER T. DE (1840) Libellulinae europaeae descriptae et depictae. Voss, Lipsiae

ROSENBOHM A. (1931) Die Libellen der Umgebung von Hamburg. Verhandlungen des Vereins für Naturwissenschaftliche Heimatforschung zu Hamburg 23: 114 – 128

ROSENBOHM A. (1966) Beiträge zur Libellenfauna der nordöstl. Lüneburger Heide. Bombus 2 (38/39): 149 – 153

SELYS-LONGCHAMPS E. DE & H.A. HAGEN (1850) Revue des odonates ou libellules d’Europe. Mémoires de la Société Royale des Sciences de Liège 6

Text veröffentlicht am 21.07.2014

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