Coenagrion mercuriale – Helm-Azurjungfer

von Friederike Kastner

AF_C.mercuriale_M_DK 01Coenagrion mercuriale ist eine zentral- und südwesteuropäische Art, die ihre nördlichste Verbreitung innerhalb Deutschlands in Niedersachsen erreicht. Die Art besiedelt neben Kalkquellmooren und Flussauen überwiegend langsam fließende kalkhaltige Wiesenbäche und Entwässerungsgräben, die auch die Lebensräume in Niedersachsen darstellen. Charakteristisch für die Gewässer ist eine Quellnähe und/oder Grundwasserbeeinflussung, damit verbunden ein seltenes oder fehlendes Austrocknen, eine geringe bis mittlere Fließgeschwindigkeit, schnelles Erwärmen des Wasserkörpers, Eisfreiheit im Winter sowie geringe bis mittlere Nährstoff- und hohe Sauerstoffgehalte. Weiterhin ist oft eine wintergrüne Wasservegetation u.a. mit Berle (Berula erecta), Brunnenkresse (Nasturtium officinale), Wasserminze (Mentha aquatica) und Bachbunge (Veronica beccabunga) für die Gewässer typisch. Jedoch weisen nicht alle von der Art besiedelten Gewässer diese Vegetationsmerkmale auf. So ist C. mercuriale auch an Gräben mit nahezu nacktem Sandboden anzutreffen, die lediglich mit Wasserstern (Callitriche ssp.) bewachsen sind und in die Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara) vom Ufer aus hineinragt (D. Kern pers. Mitt.).

In Niedersachsen liegen aktuelle Nachweise von C. mercuriale aus den Landkreisen Diepholz, Osnabrück, Nienburg, Lüchow Dannenberg und Helmstedt sowie dem Stadtrand von Osnabrück vor. Besonders individuenstarke Populationen sind im Raum Sulingen seit 1986 und Lemförde seit 2011 bekannt. Das relativ neue Vorkommen bei Lemförde und das als erloschen geltende Vorkommen im Landkreis Osnabrück, das wieder bestätigt werden konnte, deuten darauf hin, dass eventuell noch weitere neue Fundpunkte der Art festgestellt werden können. Die von C. mercuriale besiedelten, zum Teil tief eingeschnittenen, gerade verlaufenden Gräben machen auf den ersten Blick nicht den Eindruck eines interessanten Libellengewässers. Um geeignete Gewässer zu erkennen, kann man sich zum Teil an der charakteristischen Wasservegetation orientieren.

Coenagrion mercuriale wird auf der Roten Liste Niedersachsen als vom Aussterben bedroht (Kategorie 1) eingestuft und steht im Anhang II der FFH-Richtlinie. Gefährdungsfaktoren sind eine zu intensive oder aber eine nicht stattfindende Gewässerunterhaltung und damit einhergehende Beschattung der Gewässer, Grundwasserabsenkung mit Trockenfallereignissen sowie eine Eutrophierung der Gewässer.

Die Flugzeit von C. mercuriale erstreckt sich bei uns von Ende Mai bis Anfang August. Von etwa 10 bis 16 Uhr kann man die Art bei sonnig warmem Wetter gut am Gewässer bei der Paarung und Eiablage beobachten. Versteckt sich die Sonne einmal hinter einer Wolke, so verschwinden die Tiere direkt in der Vegetation am Gewässer und sind nur noch schwer zu finden.

Bei der Bestimmung muss berücksichtigt werden, dass C. mercuriale zu den „kleinen blauen Libellen“ gehört, bei denen die Zeichnung auf dem Abdomen ein wichtiges Merkmal ist. Charakteristisch bei den Männchen ist das schwarze Zeichen auf dem zweiten Abdominalsegment in Form eines Helms mit zwei Spitzen (Wikingerhelm) sowie die Zeichnung der Segmente 3 bis 5 in Form eines schmalen spießförmigen Flecks. Die Weibchen sind durch ihre grüne, selten blaue Grundfärbung und die fast durchgängige dunkle Hinterleibszeichnung recht unscheinbar. Die Schwesterart Coenagrion ornatum sieht C. mercuriale sehr ähnlich und besiedelt die gleichen Lebensräume. Zur sicheren Bestimmung ist daher ein Fang der Tiere notwendig.

Literatur

NLWKN (Hrsg.) (2009) Vollzugshinweise zum Schutz von Wirbellosenarten in Niedersachsen:
Wirbellosenarten des Anhangs II der FFH-Richtlinie mit höchster Priorität für Erhaltungs- und
Entwicklungsmaßnahmen – Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale). Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz, Hannover, 10 S.

BUCHWALD R., W. PIPER & W. RÖSKE (2003) Coenagrion mercuriale (Charpentier, 1840). Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69(1): 560–567.

STERNBERG K., R. BUCHWALD & W. RÖSKE (1999) Coenagrion mercuriale (Charpentier, 1840) – Helm-Azurjungfer. In: STERNBERG K. & R. BUCHWALD (Hrsg.) Die Libellen Baden-Württembergs, Band 1: 255–270. Ulmer, Stuttgart.

Text veröffentlicht am 17.09.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

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