Cordulegaster boltonii – Zweigestreifte Quelljungfer

 von Rainer Buchwald

AF_C.boltonii_M_GH 04

Cordulegaster boltonii ist in weiten Teilen des westlichen Mittelmeerraums, West- und Mitteleuropas bis nach Mittelskandinavien und ins westliche Russland hinein verbreitet. In Deutschland weist die Art einen deutlichen Schwerpunkt an den gewässerreichen Rändern der Mittelgebirge und in den Bächen von Endmoränen und Urstromtälern Ostdeutschlands auf. Die niedersächsische Verbreitungskarte zeichnet ein leider sehr disjunktes Bild der Art: Aus dem westlichen Tief- und Hügelland sind nur zwei sehr weit voneinander entfernt liegende Populationen (aus den Landkreisen Osnabrück und Emsland bzw. Cloppenburg) bekannt, zusätzlich jeweils wenige im Weserbergland und im Wendland, während die weitaus meisten Nachweise vom Harz und dessen Vorland sowie aus der gesamten Lüneburger Heide (mit Schwerpunkt Südheide) gemeldet wurden.

In Niedersachsen besiedelt C. boltonii meist die Ober- und Mittelläufe sand- und/oder lehmgeprägter Bäche unterschiedlicher Höhenlagen. Diese Fließgewässer weisen eine naturnahe Struktur auf mit wenig bewachsenen Mikrostandorten, welche die Spezies für ihre charakteristische Art der Eiablage („Nähmaschinen-Prinzip“) benötigt. Die Habitate sind weithin besonnt, doch erträgt sie auch manche partielle oder vollständige Beschattung einiger Gewässerstrecken. Seltener besiedelt C. boltonii besonnte bis teilbeschattete Quellfluren, -sümpfe und -moore sowie Bäche des Hügel- und Berglands; in diesen Lebensräumen findet sich auch die Schwesterart Cordulegaster bidentata, die jedoch eher die beschatteten, sommerkühlen Quellgewässer in und nahe an Wäldern bevorzugt.

Die beiden Cordulegaster-Arten werden am besten über Anzahl und Form der gelben Flecken auf den einzelnen Abdominalsegmenten unterschieden. Während C. boltonii jeweils zwei deutlich bandförmige, am Ende umgebogene Flecken aufweist, besitzt C. bidentata nur jeweils einen Fleck, der in der Seitenansicht keilförmig spitz nach unten zuläuft. Dagegen ist das häufig erwähnte Hinterhauptsdreieck kein sicheres Differentialmerkmal: Bei C. bidentata ist es immer schwarz, während es bei C. boltonii überwiegend gelb ist, aber in Form und Farbverteilung durchaus variabel gestaltet sein kann.

Cordulegaster boltonii wird am einfachsten über ihre Imagines nachgewiesen, die vor allem an den Reproduktionsgewässern regelmäßig ihre Reviere auf- und abfliegen. Die Larvensuche ist (wie bei C. bidentata) nur in den meist kleinflächigen Quellhabitaten und in schnellfließenden Mittelgebirgsbächen (mit Konzentration auf die wenigen feinsedimentreichen Partien) erfolgreich; Tieflandbäche werden in der Regel über Hunderte von Metern oder gar wenige Kilometer Strecke besiedelt, so dass dort die gezielte Suche nach Larven im sandigen oder organischen Substrat (mit Hilfe eines Küchensiebes oder Sedimentnetzes) sehr zeitaufwendig und nur an ausgewählten Stellen erfolgversprechend ist. Exuvien sind in lückiger Ufervegetation auf geringer bis mittlerer Höhe leicht zu finden; ist diese jedoch von dichtstehenden Großseggen- oder Röhrichtbeständen geprägt, ist ein Nachweis dieser letzten Larvenhaut nur mit hohem Aufwand möglich.

Die Imagines von C. boltonii schlüpfen vereinzelt im Mai, meist aber im Juni oder (Bergland) in der ersten Julihälfte. Dementsprechend sind die Imagines (je nach Höhenlage und Wassertemperaturen der Reproduktionsgewässer) von Anfang/Mitte Juni bis Mitte/Ende August nachzuweisen.

Cordulegaster boltonii ist in weiten Teilen Niedersachsens aufgrund von Begradigung, intensiver Gewässerunterhaltung sowie Einschwemmung von Pestiziden und übermäßigen Nährstoffen bereits verschwunden oder nur noch in einzelnen Populationen vorhanden. Daher sollte dieser Art ein besonderes Interesse in den Artenschutzbemühungen des Landes für Odonaten entgegengebracht werden. Zu den notwendigen Maßnahmen gehören hier die Sicherung der aktuellen Reproduktionsgewässer, der Erwerb von Uferrandstreifen mit extensiver Grünland- oder Waldnutzung sowie die Einrichtung eines Verbundsystems naturnaher Fließgewässer im Umfeld bestehender Populationen.

Text veröffentlicht am 18.03.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Cordulegaster_boltonii

Die Nachweiskarte des NLWKN wurde der AG Libellen ausschließlich für den internen Gebrauch zur Verfügung gestellt. Sie wird daher erst angezeigt, wenn man sich als Mitglied der AG auf dieser Website angemeldet hat.

AF_C.boltonii_W_AB_01 AF_C.boltonii_M_AB_02 AF_C.boltonii_W_WS 05 AF_C.boltonii_M_GH 04

 

Seite