Lestes dryas – Glänzende Binsenjungfer

 von Rainer Buchwald

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Lestes dryas ist in ganz Europa mit teils hoher Dichte an nachgewiesenen Populationen verbreitet. Das aktuell bekannte Areal reicht im Norden bis Südskandinavien, NO-England und Irland, im Mittelmeerraum kommt die Art überwiegend in montaner Lage vor. Sie ist in ganz Mitteleuropa und Deutschland verbreitet, allerdings ist die Populationsdichte in manchen Regionen (sehr) niedrig. Die Populationen weisen nicht selten starke Schwankungen auf und sind zeitweise erloschen, bevor sie nach einigen Jahren wieder nachweisbar sind; der Grund dürfte in der starken Abhängigkeit von einer räumlichen und zeitlichen Dynamik der Wasserstände liegen, die für die Larvalentwicklung bessere oder schlechtere Bedingungen schafft.

In den siebziger und achtziger Jahren war L. dryas (laut Karte des NLWKN) offensichtlich in ganz Niedersachsen recht häufig mit Ausnahme der Börden und des südöstlichen Hügel- und Berglands. Allerdings hat die Art seitdem in manchen Regionen deutliche Einbußen erlitten, die im Wesentlichen auf niederschlagsarme Sommer und die Degradierung von Verlandungszonen an Stillgewässern zurückzuführen sind. Aktuelle Nachweise liegen in erster Linie aus dem Wendland, dem Raum Oldenburg-Wilhelmshaven, dem Raum Bremen, dem südlichen Emsland und dem Raum Osnabrück vor, doch dürfte beispielsweise auch in der Lüneburger Heide weiterhin eine recht große Dichte von Populationen gegeben sein.

Das Habitatspektrum von L. dryas ist sehr weit und umfasst eine Vielzahl von Stillgewässertypen: Schlatts, Weiher und Teiche, Wiesentümpel, Verlandungszonen von Seen, Hochmoor-Schlenken und Kleingewässer in Materialentnahmestellen oder den Dünen der Ostfriesischen Inseln. Allen gemeinsam sind starke Wasserstandsschwankungen und normalerweise eine partielle oder vollständige Abtrocknung des Reproduktionsgewässers im Hoch- oder Spätsommer. Weiterhin ist mit einem Deckungsgrad von über 20 – 30% eine gewisse Mindestdeckung der Emersvegetation gegeben, die häufig einen großen Anteil von Binsen (Juncus spp.), Großseggen (Magnocarices) oder Sumpfbinsen (Eleocharis spp.) aufweist; in hochwüchsigen Röhrichtbeständen dagegen fehlt L. dryas oder weist nur geringe Abundanzen auf.

Der Nachweis der Art gelingt am besten über Exuvien, die in geringer bis mittlerer Höhe an vertikalen Halmen gut zu finden sind, sofern die betreffenden Vegetationsbestände nicht zu dicht ausgebildet sind. Individuenstarke Populationen können über die recht flugaktiven Männchen und zahlreiche Paarungsräder im Juni/Juli, teilweise noch im August leicht nachgewiesen werden; einzelne Imagines sind dagegen leicht zu übersehen, v.a. bei großen Populationen der Schwesterarten Lestes sponsa und L. virens. Die Larvalentwicklung dauert – je nach Verlauf der Wassertemperaturen – 45 bis 70 Tage; die Larven halten sich zwischen den untergetauchten Teilen der o.g. Sumpfpflanzen oder zwischen Hydrophyten-Beständen auf, sind aber nur bei höheren Abundanzen mit vertretbarem Aufwand gezielt zu suchen und sicher nachzuweisen.

Lestes dryas kann von der ökologisch und systematisch verwandten L. sponsa vor allem durch die blaue Färbung des zweiten Abdominalsegments bei den Männchen unterschieden werden; diese umfasst bei ersterer das halbe, bei letzterer das gesamte Segment. Weiterhin ist bei den männlichen Imagines von L. dryas das Ende der inneren Hinterleibsanhänge nach innen gebogen und löffelartig verbreitert, bei L. sponsa dagegen gerade ausgebildet. Bei den dryas-Weibchen überragt der Legeapparat das 10. Abdominalsegment, bei den sponsa-Weibchen dagegen nicht.

Lestes dryas ist in Mitteleuropa weitaus seltener und unsteter als die Schwesterarten Lestes viridis und L. sponsa, aufgrund der ausgeprägten Wanderungstendenzen und des weiten Habitatspektrums aber häufiger als die anderen Lestes-Arten L. barbarus und L. virens; inwieweit L. dryas in Niedersachsen häufiger ist als L. virens oder umgekehrt, wird aus den aktuellen Verbreitungskarten und den Einzelmeldungen zur Bestandsentwicklung der beiden Arten in bestimmten Lebensräumen nicht deutlich und wird zu prüfen sein. Eine langfristige Sicherung beständiger L. dryas – Populationen ist wahrscheinlich nur über den konsequenten Schutz von Mooren, Schlatts und Kleingewässern (incl. ihrer Pufferzonen) zu erreichen, während die Einbußen durch frühzeitiges Abtrocknen der Reproduktionsgewässer in trockenen Sommern kaum zu verhindern sind.

Text veröffentlicht am 19.03.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

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