Libellula fulva – Spitzenfleck

von Christian Fischer

AF_L.fulva_M_KD_02Libellula fulva gilt als ponto-mediterranes Faunenelement, das zwar ein großes Areal von Westeuropa bis zum Kaspischen Meer hat, wegen spezifischer Habitatansprüche jedoch nur lokal gehäufter auftritt. Die Art bevorzugt langsam strömende, nicht zu stark verschmutzte Flüsse, Kanäle und Altwässer der Tieflandauen, die besonnt sind und eine reiche Ufervegetation aufweisen. Neben gut ausgeprägten Uferröhrichten und Säumen aus Großseggenrieden sind auch Bereiche mit offenen Wasserflächen von Bedeutung. Außer trägen Fließgewässern werden auch größere, perennierende Weiher, Bracks und Teiche mit entsprechender Strukturierung besiedelt. Gehölze in der Umgebung sind als weiteres wichtiges Habitatelement zu nennen.

Das Verbreitungsbild für Niedersachsen und Bremen stellt sich als äußerst lückenhaft dar. Selbst innerhalb der größeren Stromtäler des Tieflandes, die als primäres Areal der Art gelten können, zeigen sich weite Bereiche ohne Nachweise. Eine gewisse Häufung von Fundrastern befindet sich entlang der Weser zwischen Nienburg und Bremen, einen weiteren abundanzstarken Schwerpunkt bildet ein Abschnitt der Jeetzelniederung in Lüchow-Dannenberg. Die (ehemals) hochmoorgeprägten Regionen im Nordwesten dürften natürlicherweise kaum von L. fulva besiedelt sein; zudem verläuft hier die Gesamtarealgrenze. Auch im Hügel- und Bergland ist nicht mit Nachweisen zu rechnen. Einzelne ergänzende Funde dürften wohl am ehesten in den Urstromtälern von Weser/Aller und Elbe zu erwarten sein. Vermutlich zeigt die Rasterkarte aber ein recht realitätsnahes Abbild der Verbreitungssituation im Gebiet. Daher wird der Spitzenfleck hier auch als „stark gefährdet“ eingestuft.

Die Erfassung erfolgt am besten durch Ablaufen geeigneter Uferstreifen, wo sich die Männchen zwischen ihren Flügen gerne länger auf der sonnenexponierten Röhrichtvegetation niederlassen. Da die Sitzwarten eher mit Blick aufs Wasser gewählt werden, ist eine gute Uferzugänglichkeit von großem Vorteil. Bei sehr breiten Röhrichtzonen dürfte eine Kartierung von der Wasserseite aus somit effektiver sein. Die adulten Männchen sind an warmen Tagen bereits morgens am Gewässer aktiv, Weibchen und Paarungsräder eher mittags und nachmittags anzutreffen. Juvenile und subadulte Tiere können sich mitunter mehrere hundert Meter entfernt von den Emergenzgewässern an Waldrändern und -lichtungen aufhalten.

Die Artdiagnose sollte visuell gut möglich sein, auch wenn bei den Männchen die namensgebende dunkle Fleckung der Flügelspitzen gelegentlich kaum erkennbar ist oder sogar fehlt. Denkbare Verwechslungsarten sind je nach Alter und Geschlecht am ehesten Orthetrum cancellatum, Libellula depressa und L. quadrimaculata. Bei den immaturen, orangefarbenen Exemplaren des Spitzenflecks gleichen sich Männchen und Weibchen, können aber u. a. an den Cerci unterschieden werden.

Innerhalb eines Gewässers findet die Emergenz wohl oft ziemlich synchron statt, so dass man Imagines auch zahlreicher antreffen kann. Die Hauptflugzeit liegt zwischen Mitte Mai und Ende Juni. Je nach Witterungsverlauf und Region können auch spätere Sichtungen (Juli, manchmal August) gelingen.

Text veröffentlicht am 17.10.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Libellula_fulva

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