Somatochlora flavomaculata – Gefleckte Smaragdlibelle

von Angelika Borkenstein und Reinhard Jödicke

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Gemeinsam mit den nördlichen Niederlanden bildet Niedersachsen die nordwestliche Arealgrenze der Art. Das geschlossene Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Frankreich bis Westsibirien, erreicht im Norden Teile Skandinaviens und im Süden den äußersten Norden des Balkans. In Niedersachsen ist Somatochlora flavomaculata insgesamt selten und gefährdet. Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt im östlichen Tiefland, wo in den Verbreitunskarten des NLWKN und der AG-Datenbank aus der Süd- und Ostheide, der Umgebung Bremens und der Elbaue Fundorte ausgewiesen sind. Aus dem westlichen Tiefland ist derzeit nur das bodenständige Vorkommen im NSG „Ochsenweide“ (Landkreis Wittmund) bekannt, während aus dem Hügel- und Bergland keine aktuellen Meldungen vorliegen.

Trotz der Seltenheit besiedelt S. flavomaculata in Niedersachsen ein breites Spektrum verschiedener Biotoptypen. In der Elbaue bei Lüchow-Danneberg vermehrt sich die Art in stark verlandeten Gewässern und in der Randzone von Niedermooren. Aus der Südheide werden oligotrophe Flach- und Zwischenmoore, durchströmte Heidemoore, Moorrandzonen und die Verlandungszone eines größeren Moorgewässers als Bruthabitat beschrieben. Am Rand der Südheide fliegt S. flavomaculata an sehr verwachsenen Gewässern der Meißendorfer Teiche und reproduziert sich auch in Krebsscherengewässern. Im NSG „Ochsenweide“ am nordwestlichen Geestrand konzentriert sich die Art auf die enge Übergangszone zwischen Hochmoor und Niedermoor. In dieser Zone befinden sich flache Senken mit im Jahreswechsel schwankenden Wasserständen, die am Hochmoorrand durch den Kleinen Wasserschlauch (Utricularia minor) und am Rand des Niedermoors durch Fieberklee (Menyanthes trifoliata) dominiert sind. Fasst man diese Informationen zusammen, dann sind Reproduktionsgewässer meistens flach, ihr Untergrund bestehend aus einer mächtigen organischen Schicht, in dystrophem Milieu aus Torf.

Somatochlora flavomaculata ist nicht einfach zu erfassen. Das liegt teilweise an schwierig zu begehenden Geländeverhältnissen, vor allem aber am Verhalten patrouillierender Männchen. Diese fliegen oft über terrestrischen Biotopen ohne unmittelbaren Bezug zu den Reproduktionsgewässern, z.B. über Röhrichtschneisen oder an Gebüschrändern. Schwierig ist auch die Interpretation von beobachteten Einzeltieren, die aktuell z.B. von Marschgräben bei Oldenburg und Bremen gemeldet wurden. Ohne Zweifel können sich reifende Tiere weit von ihren Schlupfgewässern entfernen, aber bei solchen Funden sollte auch gezielt die Umgebung nach einer noch unentdeckten Brutpopulation untersucht werden. Somatochlora flavomaculata gehört zu den Arten, bei denen aufgrund großflächiger Biotopzerstörung aus langfristiger Sicht ein erheblicher Bestandsrückgang zu rekonstruieren ist. Umso erfreulicher sind da aktuelle Erkenntnisse über z.T. deutlich wachsende Bestände in der Südheide und Elbaue seit dem neuen Millennium. Unter diesem Aspekt ist es auch wichtig, alle früher festgestellten Vorkommen neu zu überprüfen.

Die gelbe Abdomenfleckung ist ein gutes Feldmerkmal. Die Fleckung verdüstert sich allerdings bei älteren Tieren, vor allem bei den Männchen, so dass eine Handbestimmung oft angeraten ist. Aufgrund der Habitatansprüche von S. flavomaculata kommt es nicht selten zu einer Vergesellschaftung mit Somatochlora arctica. Zur Flugzeit in unserem Gebiet liegen derzeit nur wenige Daten vor, die einen Zeitraum von Ende Mai bis Anfang August bei einem Schwerpunkt im Juli umreißen. Hier ist jedes präzisierende Datum wichtig.

Text veröffentlicht am 12.03.2015

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Somatochlora_flavomaculata

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