Sympecma paedisca – Sibirische Winterlibelle

von Ariane Teske

Sympecma paedisca, WeibchenNiedersachsen weist nach bisherigen Erkenntnissen nur noch ein rezentes Vorkommen von Sympecma paedisca auf, welches sich im Bereich der Thülsfelder Talsperre (LK Cloppenburg) befindet.

Die bis Ende der 1990er Jahre nachgewiesenen Vorkommen im Teufelsmoor zwischen Bremen und Bremervörde (Gewässer bei Bokelah, Feuerlöschteich in Volkmarst, Tonkuhlen bei Brillit/Gnarrenburg und auf den Heideflächen des Hamberger Moores) konnten aktuell nicht bestätigt werden. Dasselbe gilt für das Vorkommen bei Celle und für einen (nicht in der Karte des NLWKN verzeichneten) Fund im Oktober 2006 im Hochmoor Ringe bei Meppen.

Im NSG Ahlhorner Fischteiche (LK Oldenburg / Cloppenburg) wurde die Art zuletzt 2009 an den Dianaseen nachgewiesen, konnte seit den 1980er bis Anfang der 1990er Jahre aber auch regelmäßig an verschiedenen Fischteichen und im Staubereich der Lethe festgestellt werden. Der Große Dianasee, an dem S. paedisca mehrfach nachgewiesen wurde, stellt als Übergangsmoorgewässer ein Grenzhabitat dar, denn nach bisherigen Erkenntnissen werden saure, nährstoffarme Moorgewässer und Schlatts von der Art als Reproduktionsgewässer nicht angenommen.

Das Vorkommen an der Thülsfelder Talsperre ist ab Mitte der 1980er Jahre bekannt und wird seit 2008 regelmäßig untersucht. Dort fliegt die Art im Frühjahr während der Fortpflanzungszeit an Buchten, die eine strukturreiche Ufervegetation, Röhrichte bzw. breite Verlandungszonen aufweisen. Die Nährstoffverhältnisse der Talsperre sind im Durchschnitt mesotroph, randlich entstehen sogar Vermoorungen. Jedoch werden durch die hindurchfließende Soeste im Jahresverlauf schwankende Mengen an Nährstoffen in das große, flache Staugewässer eingebracht, wodurch im Sommer Tendenzen zur Eutrophierung entstehen. Diese Dynamik scheint S. paedisca bislang nicht zu schaden. Natürlicherweise nährstoffarme, randlich vermoorte Gewässer auf Sandboden in der Nähe der Talsperre, die durch Wasserzufluss von landwirtschaftlich genutzten, entwässerten Flächen ebenfalls eine gewisse Nährstoffzufuhr erhalten, werden ähnlich dem Großen Dianasee als Grenzhabitat besiedelt und bei Abnahme von Nährstoffgehalt und pH-Wert gemieden.

Die Eiablage erfolgt im Frühjahr zunächst an totem, später im Jahr auch an lebendem Pflanzenmaterial. Die Weibchen legen die Eier im Tandem mit den Männchen, häufig aber auch alleine ab. Die letzten Individuen der Vorjahresgeneration werden bis etwa Mitte Juni an den Gewässern beobachtet.

Nach der Emergenz (ca. Ende Juli bis Anfang September) wandern die subadulten Imagines nach und nach von den Schlupfgewässern zu den Herbst- und Winterhabitaten. Diese befinden sich auf geschützten, strukturreichen Lichtungen und an besonnten Wegrändern mit Gehölzsäumen, die mit trockenen, gemischten Gras-, Hochstauden- und Heidefluren bewachsen sind. Totholz und lebendes Holz werden für Tagaktivität, Übernachtung, Überdauerung sowie Überwinterung genutzt. Monotone, gemähte oder geräumte Habitate werden dagegen von der Art gemieden.

Die Überwinterung erfolgt je nach Witterung von November/Dezember bis Februar/März. Dabei sitzen die Imagines an trockenen Gräsern oder dünnen Ästen und überdauern die kalte Jahreszeit mehr oder weniger bewegungslos. Bei Frost und Schnee verbergen sich die Tiere zum Teil bodennah in dichter Vegetation, weshalb die Art im tiefen Winter nur schwer beobachtet werden kann.

Im Februar/März beginnt zunächst die Flugtätigkeit und Nahrungsaufnahme auf den Lichtungen, bevor die Imagines von ca. Mitte/Ende März bis Ende April mit Einsetzen der Geschlechtsreife nach und nach zu den Reproduktionsgewässern ziehen. Aussehen und Verhalten von S. paedisca sind unauffällig und zudem ist die Phänologie abweichend von der anderer Libellenarten. Dadurch kann die Art in der Praxis leicht übersehen werden. Eine eingehende Erforschung ist weiterhin anzuraten, um andere aktuelle Vorkommen der Art in Niedersachsen festzustellen, bzw. alte Fundorte eventuell wieder bestätigen zu können. Erstuntersuchungen sollten im April/Mai an potenziellen Fortpflanzungsgewässern bzw. im September/Oktober in potenziellen Landhabitaten durchgeführt werden.

Sympecma paedisca gilt in Niedersachsen als vom Aussterben bedroht. Darüber hinaus ist die Art nach §7 BNatSchG streng geschützt und wird im Anhang IV der FFH-Richtlinie geführt.

Text veröffentlicht am 06.10.2014

AG Datenbank – Erste Auswertungen

Sympecma_paedisca

Die Nachweiskarte des NLWKN wurde der AG Libellen ausschließlich für den internen Gebrauch zur Verfügung gestellt. Sie wird daher erst angezeigt, wenn man sich als Mitglied der AG auf dieser Website angemeldet hat.

Sympecma paedisca, Männchen AF_S.paedisca_Eiablage_AT 03 AF_S.paedicsa_M_RJ 05

 


Seite